Monatsarchiv: Oktober 2011

Mein Problem mit Pick Up (nicht der Schokoriegel)

Aufgrund einer Diskussion bei Christians Evolutionsblog (die meisten werden ihn kennen),
möchte ich gerne mal „offiziell“eine Stellungnahme zum Thema Pick-Up abgeben.
Für die, die es nicht kennen: Es ist eine Pseudowissenschaft, die darauf abzielt, möglichst viele Geschlechtspartner zu bekommen.
Eine sachlichere Definition findet ihr hier

Erstmal möchte ich klarstellen, dass ich nichts gegen One-Night-Stands und Affären habe, habe selber schon gute Erfahrungen damit gemacht.
Mein Standpunkt ist also NICHT (hör gut zu Christian), dass Sex ohne Liebe inhaltsleer und böse und bla ist.
Zudem halte ich mich nach den Erfahrungen, die ich im Leben gemacht hab, für abgeklärt genug, nicht mehr an den Ritter auf dem weißen Pferd zu glauben.

Es ist vielmehr folgendes:

1)PU stilisiert sich als Wissenschaft, ist aber keine

PUA´s verwenden eine „Fachsprache“ mit denen sie bestimmte Handlungen bezeichnen (Comfort,Negs, IOI, etc., am besten googeln. Oder nicht.). Dadurch fühlen sich die Männer elitär und überlegen und sophisticated. Klingt auch einfach besser als Bindung, Interesse und… ja und arschig sein. In Wirklichkeit klingen sie wie eine Horde WoW-Spieler, die seit 3 Wochen keine Sonne mehr gesehen haben.
Auch sonst ziehen sie sich gerne Begriffe und Konzepte aus Evolutionspsychologie und Soziobiologie. Ein wenig Küchenpsychoanalyse verirrt sich auch dahin.
Zudem werden auch gerne Techniken aus der Neurolinguistischen Programmierung (NLP) benutzt, die ja per se als Pseudowissenschaft gilt, hier aber als die letzte und reine Wahrheit verkauft wird.
Oha, das klingt ja alles ganz schön hochgestochen, mag sich der geneigte Leser denken.
Da müssen aber Fachleute an der Strippe sitzen. Möööp. Falsch. Die meisten Leute, die sich in die Community einbringen kommen aus ganz anderen Fachbereichen. Neil Strauss zum Beispiel ist Journalist, Mystery ist..äh..Zauberer? Wow. Das ist echt schon ZU einfach!

2)PU respektiert Frauen nicht

Was soll ich zu einer Gruppierung sagen, die Frauen als Buchstabenfolge mit Nummer dran darstellt?
Du bist entweder ein HB (HotBabe) oder ein UG (UglyGirl). Als letzteres bist du natürlich ganz furchtbar bäh und das Kroppzeugs der Welt. Eigentlich kannst du dich direkt erschießen, weil für einen PUA (PickupARTIST! Ernsthaft! :D) zählt in erster Linie, wenn nicht ausschließlich, das Aussehen. Weil wegen die Evolution. Oder so. (sh. Pkt. 1) Und da ein PUA ja das Erstrebenswerteste auf diesem Planeten ist, bleibt wohl nur Selbstmord als Option.

3)PU ist Heuchelei

Im PU gibt es mehrere Begriffe, um einen Mann zu bezeichnen:
-AFC (Average Frustrated Chump), das ist jemand der mit PU noch nie in Berührung gekommen ist  und daher von Leid und Versagen gezeichnet ist („Er trägt das Mal!“)
-PUA (hab ich oben schon erläutert, aber nochmal: ROFL) Das ist jemand der PU, mehr oder weniger erfolgreich, ausübt.
-Alpha! (hier himmlische Gesänge hindenken) DAS ist der Eine, der Einzige, the Chosen One, der Heilige Gral unter den Männern. Dieser Mann hats voll drauf, er legt die Frauen reihenweise flach, er weiß wie das Leben geht, er ist Gott und, quasi als sein böser Zwilling, der auf dem Dachboden Fischköpfe bekommt, der Beta (Buuuuuuuuhhh). Dieser Mann hat sich von einer Frau zähmen lassen, er steht unter ihrem seidenen Pantoffel, eventuell ist er sogar mal in einer Beziehung Kompromisse eingegangen.

Reden wir mal über den PUA und den Alpha (Gesänge). Was tun die so den ganzen Tag? Sie beschäftigen sich damit, Frauen zu „verführen“, heißt also, ein Großteil ihres Lebens kreist um Frauen. Ist ja jetzt nichts Schlimmes, aber bei so einem Obersupertyp würde ich doch einen etwas, nunja, gehaltvolleren Lebensinhalt erwarten, als Frauen flachzulegen.
Aber wer bin ich denn das in Frage zu stellen.

Dann gibt es noch das Konzept „Comfort“, oft als Verteidigung benutzt, wenn es mal wieder hieß das PU frauenfeindlich sei. Ist es natürlich überhaupt nicht! Es ist quasi so, dass du mit Comfort einer Frau vorgauk… äääh, sie überzeugst, dass da eine ganz besondere Bindung zwischen euch ist.
Um den guten EvolutionsChristian zu zitieren, der da auf seinem Blog sagte:

„komfort ist es auch ihr kurz vor dem Ficken noch mal vorzuschlagen, was danach zu unternehmen, selbst wenn beide davon ausgehen, dass man sich nie wieder sieht. Einfach weil kurz vorher häufig noch mal Zweifel hochkommen und man dadurch der Last-Minute-Restistance vorbeugt.“ (sic) (Quelle)

Last Minute Resistance ist, wenn es die Frau sich vor dem Sex nochmal anders überlegt und nimmer will. Ich denke damit ist genug dazu gesagt, um euch von der Ehrenhaftigkeit und Selbstlosigkeit dieses Konzepts zu überzeugen.

4)PU schlägt Kapital aus den sozialen Schwächen von Männern

Tja, was soll ich sagen. Natürlich gibt es Männer, die in Gegenwart von Frauen extrem gehemmt sind, die tatsächlich Hilfe benötigen. Aber ob diesen Männern damit geholfen ist, Schemata abzuarbeiten? In der Regel zieht sich so eine Sozialphobie, bzw. -schwäche durch das ganze Leben, es wäre ihnen evtl. viel mehr mit einer Psychotherapie oder einem allgemeinem Kommunikationskurs an der VHS geholfen.
Aber andererseits sind natürlich gerade diese Männer so dermaßen verzweifelt, dass sie nach jedem Strohhalm greifen und für diesen auch noch bereit sind viel Geld auszugeben.
PU ist ein Geschäft, das sind keine netten Männer, die dir helfen wollen. Was hätten sie auch für ein Interesse daran sich Konkurrenz heranzuzüchten?

Irgendwann werden diese Männer hilf- und ratlos dastehen, wenn nicht vorher schon Punkt 5 eingetreten ist, der da wäre:

5)PU hat das Potential soziopathische, misogyne Männer zu erzeugen

Viele Männer entdecken PU erstmals für sich, nachdem sie aus einer gescheiterten Beziehung kommen, bzw. viele traumatisierende Erfahrungen mit Frauen gemacht haben. Sie kommen zu einer Community, die Frauen nummeriert und als einfach gestrickte Wesen zeigt, die leicht zu haben sind und keinerlei Prinzipien haben. Sie kommen in eine Gruppe, wo diese Erfahrungen geballt auftreten, geballter als es im Real Life der Fall wäre, und wo sich die Männer in ihrer Bitterness bestärken.
Für jeden vernünftigen Mann gibt es etwa 3 unvernünftige Frauen“freunde“
Außerdem weiß ich nicht, ob es so eine gute Idee ist, Menschen denen einiges an Empathie fehlt sowas wie PU, was ja doch einige Erfolge verzeichnen will, an die Hand zu geben.
Die Gefahr, dass damit Missbrauch getrieben wird ist zu hoch. 
Die Verbände die z.B. NLP verwenden, haben immerhin einige Ethikrichtlinien ausgearbeitet, denen sie sich verpflichtet haben. Irgendwie bezweifele ich, dass PU dazugehört…

6)PU hat sektenartige Strukturen

Supermega PUAs werden Gurus genannt, für die Jünger gibt es auch verschiedene Bezeichnungen (sh. Punkt 3). Sie haben eine interne Sprache, die „Außenstehende“ erstmal nicht verstehen, die aber unheimlich toll klingen mag. Analogien ála Matrix, nach denen die PUAs als Eingeweihte einzig die Wahrheit über Frauen und Beziehungen kennen, sind eher Regel als Ausnahme (Quelle: Beliebiges PU-Forum). Ebenso werden Mitglieder die in Foren berichten, dass ihr Umfeld negativ auf ihr Schaffen reagiert aufgefordert, diese doch hinter sich zu lassen, da sie nur ausbremsen würden.
Ich weiß nicht wie ihr das seht, aber das klingt für mich doch ziemlich bedenklich.

So, das war mein Senf zu PU. Schön dass ich mir die Arbeit gemacht habe, nun kann ich in Diskussionen immer auf diesen Artikel verweisen 🙂

Good night and good luck


Mutti kriegt ja schon Farbe!

Letztens (Na gut, ist schon was her :)) war ich in Begleitung von Mutter und Nichte auf dem Sommerfest des Arbeitgebers meiner halben Familie.

Jener hatte sich nicht lumpen lassen und zwecks Bespaßung der Gäste diverses Getier herangeschafft.

Endlich konnte ich sagen: „Schau mal Mutti, ein Esel!“
Was eine Lawine von Loriot-Zitaten hervorrief.

Ach, ich mag meine Familie 🙂

Das Jenseits ist jetzt auf jeden Fall ein spaßigerer Ort, wo Loriot da ist.


Schamhaarspalterei

Es ist ein leidiges Thema, was ich heute ansprechen möchte, sowohl in Femblogs als auch fast überall sonst: Die Intimbehaarung, speziell die weibliche.

Wenn man diversen Studien und Girltalks Glauben schenken darf, entfernt sich ein überwältigend hoher Prozentsatz der Frauen in Industrieländern regelmäßig die Schambehaarung, aber warum ist das so?

Ich kann mich erinnern, als ich meinen ersten Freund hatte fand der erste Sex im „Urzustand“ statt, was er mit den Worten kommentierte: „Das kommt aber noch weg.“(Es war keine Frage.)
Also tat ichs, jung und verliebt wie ich war, und es ist jahrelang dabei geblieben. Männer kamen und gingen und ich tat mein Bestes, um meine Scham babypopoweich zu halten, völlig unreflektiert, so wie man sich morgens die Haare kämmt.
Natürlich fand ich es oft unfassbar lästig (Pickelchen anyone?), aber es musste halt sein, oder ich dachte es zumindest. Es hat hinterher zwar nie wieder ein Mann explizit verlangt, aber es war ja auch nicht nötig.

Irgendwann kam mir der Gedanke: Warum mach ich das eigentlich? Selbst wenn ich keinen Sex habe? Alle Frauen haben Schamhaare, wenn sie der Pubertät entwachsen sind, das ist doch eigentlich nichts Unnormales? Und doch wird es bei uns regelrecht in die Fetischecke gestellt, wenn eine Frau unrasiert ist. Wollen alle Männer ein kleines Mädchen im Bett? Ich denke nicht.
Ich kann mir zwar vorstellen, dass Oralverkehr rasiert deutlich angenehmer ist, aber ich kann mir nicht vorstellen dass Cunnilingus eine Erfindung der 90er ist.

Viele Frauen sagen, dass sie es so hygienischer fänden. Bullshit! In den Phasen, wo ich mich rasiert habe hatte ich regelmäßig Blasenentzündungen. Unrasiert? Bis dato keine.
Zudem ist es mitteleuropäischer Standard fließend Wasser im Haus zu haben, Hygiene mag dabei in vorindustriellen Zeiten durchaus eine Rolle gespielt haben (sh. auch z.B. Islam), jetzt riecht es aber eher nach Ausrede.

Andere Frauen geben an, dass sie so sensibler seien. Dass ist eine Begründung die ich nachvollziehen kann. Auch zu sagen: „Mein Partner mag das, ich mache es für ihn.“ Kein Ding, sofern er sich genauso für sie pflegt. 
Versteht mich nicht falsch, es soll jeder so halten wie er und sein Partner es mag, was mir nicht gefällt ist dieser Zwang, diese Pathologisierung von etwas, was jede Frau (JEDE!) hat.

Es wird oft gesagt, Schamhaare seien eklig. Nein! Sie sind etwas völlig Natürliches!
Warum sind sie eklig? Darauf hab ich noch nie eine adäquate Begründung gehört.

Es stört mich einfach, dass der Normalzustand einer Frau nach der Pubertät etwas Ekliges sein soll, dass es auszumerzen gilt. Das ist doch nicht normal. 
Was ist das denn bitte für eine Botschaft an junge Mädchen? „Dein Körper verändert sich das ist ganz natürlich“ und im selben Atemzug bekommen sie einen Ladyshave, um sich davon zu „befreien“?
Krank, einfach krank.

Naja, schauen wir mal, wie lange sich dieser Trend noch hält. Ich für meinen Teil werde meine Härchen weiterhin so stutzen, dass es nett aussieht, mach ich ja mit meinen Kopfhaaren auch.
Alles was darüber hinausgeht? Nicht mehr. Ich hab besseres zu tun.

Und BTW:
Männer schubsen einen nicht angewidert aus dem Bett, bloss weil man Haare an der Scheide (also drumrum, ne? :D)  hat. 🙂

Gruß und Kuß