Geschichten aus dem femizentrierten Schulwesen IV

Es gibt Neuigkeiten von Herrn X. (wir erinnern uns).

Gestern kam eine Mitschülerin (nennen wir sie Susi) mit der ich auch privat befreundet bin, auf mich zu: „Maren, ich muß dir was erzählen!“ 
Sie hat das Vergnügen Religion-GK bei Herrn X. zu haben, sie hatten eine Klausur geschrieben.
Sie war recht fix fertig und raus, aber Herr X. gab einer anderen aus dem Kurs seine Visitenkarte für Susi, mit der Bitte, sie möchte ihm ihre Handynummer geben. Da wohl im Vorfeld schon ab und an mal eindeutige Sprüche gefallen waren, ekelt sich Susi natürlich sehr und ist erstmal ratlos, weil Herr X. nicht grade den Ruf hat, besonders objektiv bei der Benotung zu sein. 

Eine weitere Schülerin ist dann dazugekommen, nennen wir sie Heidi.
Heidi fragt was los ist, wird kurz ins Bild gesetzt und sagt dann: „Ach ja, das hat der bei mir auch schon versucht.“ Lt. Heidi (die ich natürlich auch persönlich befragt hatte, investigativ und so) hatte er ihre Nummer erfragt, nachdem im Unterricht ein *scherzhaftes* „Wenn Sie diese Frage richtig beantworten, lade ich sie ins Kino ein.“ gefallen ist. Sie gibt sie ihm (wie willste auch sonst reagieren) und kriegt wenig später ein Gedicht per SMS, sie erinnere sich nicht mehr genau, aber irgendwas mit „Engelsgesicht“ und so. So weit, so widerlich.

Wenig später fuhr sie auf Kursfahrt. Beim gemeinsamen Grillen mit den begleitenden Lehrkräften (u.a. auch der Vertrauenslehrerin) kommt das Gespräch auf Herrn X. ,der sowohl bei Schülern als auch Lehrern nicht soo sonderlich beliebt ist.
Sie erzählt von der SMS usw. und die Vertrauenslehrerin erzählt ihr, dass sie bereits 3 Schülerinnen mit demselben Problem hatte, und dass sie sich doch so schnell wie möglich an unseren Rektor Herrn Y. wenden solle.

Heidi tut das, Herr Y. sagt, er hätte Herrn X. bereits mehrfach (!!!) darauf angesprochen, aber er könne weiter nichts tun, weil wir ja erwachsen sind und unsere Nummern wenn freiwillig rausgeben. 
Hat er ja auch irgendwo recht. Nunja, er sagte aber bzgl. Notengebung hätte er ein Auge darauf und sie solle Bescheid geben, wenn noch was kommt. Kam aber nicht.

Das Problem bei Herrn X. ist nun, dass er ein kurz vor per Pensionierung stehender Beamter ist.
Kannze nich viel machen. Nur aussitzen.
Dazu kommt (und das hat er persönlich im Lateinunterricht erzählt, natürlich abstreitend), dass er von seiner vorherigen Schule (einem normalen Gymnasium) „geflogen“ ist, weil er gegenüber einer Kollegin und einer Schülerin „verbal übergriffig“ geworden ist. Na das kann ich mir ja nu gar nicht vorstellen….Aber dass dem das nicht peinlich ist… Ich würde mich in Grund und Boden schämen.

Ein ganz besonderes Geschmäckle geben dann auch die Zusatzinformationen, dass Herr X. (unter anderem) Lehrer für katholische Religion ist, und dass seine Frau Rektorin an einer Grundschule ist, also einen höheren Posten hat als er.

Merke: Alte Lustmolche sind IMMER widerlich und ich bin froh, dass ich nicht sein Typ bin. Vielleicht bin ich ja zu alt.

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9 responses to “Geschichten aus dem femizentrierten Schulwesen IV

  • Khaos.Kind

    In solchen Fällen verhindern die Strukturen jegliche Handlungsfähigkeit. Mehr als ansprechen ist da nicht, schließlich herrscht eh schon ein Mangel an Lehrkräften.Muss bei Herrn X immer an einen ehem. Lehrer von mir denken, der auch ähnlich drauf war und der extra aus der Pension geholt wurde, weil unser eigentlicher Chemie/Bio-Lehrer total überarbeitet war. Ich glaube lang hat "mein Herr X" das nicht gemacht, ob das nun an den Strukturen lag oder die vielen Beschwerden geholfen haben, weiß ich allerdings nicht.Aber da muss definitiv was gemacht werden. Gerade "Zwangsversetzungen" sind doch keine Lösung für verbale Übergriffigkeit oder ähnliche "Ausfälle" in der Richtung!

  • Maren

    Aber ich find das krass, das der überhaupt kein Schamgefühl zu besitzen scheint, was wär mir das peinlich, wenn mich mein Chef wiederholt darauf anspräche, ich solle doch die Schüler in Ruhe lassen.Und das er wohl die Schülerinnen als seinen persönlichen Hühnerstall betrachtet ist heftig. Vor allem, der Mann ist 60 geworden, der kann doch nicht im Ernst glauben, dass das auf Gegenliebe stößt! Bah!

  • Kinch

    Also davon abgesehen, dass ich deine pauschale Abwertung bezüglich des Alters nicht teilen kann und auch nicht sehe, inwieweit das wichtig zur Bewertung der Situation wäre, finde ich sein offensives Verhalten ziemlich krass.Aber auch wie bereitwillig da Telefonnummern herausgegeben werden, finde ich merkwürdig. Liegt das allein am Machtgefälle oder ist das Sorglosigkeit? Ein Pädagoge der ganz ohne Kontext so übergriffig wird, offenbart imho einige charakterliche Defizite.Wie auch immer. Die Position der Schulleitung, dass die Schülerinnen erwachsen sind und es sich da per se ein Gleichberechtigtes Verhältnis ergibt, kann ich wirklich nicht teilen. Aber wenn man diese Meinung vertritt, sollte man die Betroffenen auch konsequent dazu ermutigen, sich so etwas nicht gefallen zu lassen.„Alte Lustmolche sind IMMER widerlich und ich bin froh, dass ich nicht sein Typ bin. Vielleicht bin ich ja zu alt.”Vielleicht bist du auch zu resolut? Ich meine, vielleicht ergibt sich sein Interessen an den Schülerinnen nicht aus ihrer körperlichen Attraktivität, sondern aus ihrem Abhängigkeitsverhältnis zu ihm. Frauen die Widerworte geben, fallen da natürlich aus dem Schema.Ich will da nichts überinterpretieren, aber wenn er als Lehrer mit einer Rektorin verheiratet ist und je nachdem, wie der Umgang in der Ehe zwischen den beiden ist, könnte ich mir vorstellen, dass hier einige Minderwertigkeitskomplexe abgearbeitet werden.

  • Maren

    Kinch, das hat nichts mit abwerten zu tun. Welche 21jährige die du kennst würde denn bitte einen 60jährigen als Sexualpartner in Betracht ziehen? Ich denke die Möglichkeit ist verschwindend gering.Und wir reden hier nicht von Sean-Connery-60 sondern Opa-60. Zu den Telefonnummern: Da ist man erstmal überrumpelt, denk ich. Und bevor man sich auf eine Diskussion einlässt gibt man sie lieber raus und hofft das Beste. Susi zum Beispiel hat jetzt auch Schiß das sie schlechter bewertet wird, weil sie´s nicht tut. Der Mann sitzt halt am längerem Hebel. *Vielleicht bist du auch zu resolut?*Das kommt sicherlich dazu. Aber da er sich die Stufenschönheiten raussucht denke ich mal, dass Attraktivität das Hauptkriterium ist.

  • Kinch

    Naja; ich sehe das halt anders. Ich denke, bei der Wahl des Sexualpartners sollten Alter, Geschlecht, Herkunft und ähnliche Attribute keine generelle Bedeutung spielen, sondern dass es da einzig auf die individuellen Präferenzen ankommt.Ich will dir deine Empfindungen gerne lassen, dass alte Menschen als Sexualpartner „widerlich” sind. Ich finde, dass ist eine legitime Empfindung. Nur, gilt sie erstmal nur für dich selbst.Ich finde die Aussage, dass ein 60 Jähriger Mensch nicht erwarten kann, dass ein 20 Jähriger Mensch ihn als Sexualpartner in Betracht zieht, vergleichbar mit der Aussage, dass ein dicker Mensch nicht erwarten kann, dass ein dünner ihn in Betracht zieht, oder ein Armer nicht erwarten kann, dass ein Reicher ihn in Betracht zieht, etc pp.Du hast insofern Recht, als dass das wohl gesamtgesellschaftlich so gesehen wird, aber ich denke, dass ist kein Grund es als Schicksal zu akzeptieren.Darüberhinaus stört mich ehrlich gesagt, dass das in die Bewertung der Situation miteinfließt. Was ist am Verhalten von X. problematisch? Dass ein Lehrkörper einem anvertrauten Menschen gegenüber auf diese Art Grenzen überschreitet oder, dass ein „alter Lustmolch” einem jüngeren Menschen Avancen macht? Wäre die Situation irgendwie angenehmer, wenn es ein attraktiver 30 Jähriger wäre?Ich will dir hier jetzt keinen Vorwurf machen. Ich finde nur, wenn die sexuelle Attraktivität eines Menschen hier ausschlaggebend dafür sein soll, was dieser Mensch sich gegenüber anderen Menschen herausnehmen kann oder nicht, dann stimmt etwas am Werte-Kanon der Gesellschaft nicht.Achso; die Betroffnen sind schon über 20? Ich dachte eher so an 16 ~ 18, wenn ich „Schule” höre. Die Situation ist klar beschissen und ich will das indiskutable Verhalten von X. nicht relativieren. Aber ich denke, das ist ein Alter in dem man lernen muss, sich auch gegen soziale Widrigkeiten durchzusetzen. Das er euch benotet und in einer überlegenen Position ist, ist natürlich beschissen. Aber sollte er jemanden schlechter benoten, weil dieser die Telefonnummer nicht rausrücken möchte, dann kann man imho dagegen juristisch vorgehen. Die Frage ist halt, wie so oft, ob man etwas erträgt oder nicht; was das kleiner Übel ist und wozu man die Kraft hat.Naja, wie auch immer: Wünsche euch viel Glück.

  • Khaos.Kind

    Wie wärs, wenn sich "betroffene" Schülerinnen und andere Lehrkräfte zusammenschließen und dagegen vorgehen?Sowas sollte, wenn hierarchische Entscheidungen nicht fruchten, kollektiv thematisiert werden. Sowohl unter den Schüler*innen als auch im Kollegium.Ist für sowas Potential da?

  • Maren

    Um das klarzustellen: Natürlich ist das ausnutzen der Machtposition der Knackpunkt hier und nicht der Altersunterschied. Es ist nun aber so, wenn eine 21jährige einen 60jährigen sieht, sieht sie ihn in den allermeisten Fällen nicht als potentiellen Sexualpartner, sondern als Respektsperson/lieben Opi. Das ist einfach so. Dass er das ausblendet deutet in diesem Fall umso mehr darauf hin, dass er entweder ein komplett verschobenes Weltbild hat oder aber dass es ihm egal ist, weil er weiß er hat eh die Zügel in der Hand. Ich weiß nicht was schlimmer ist. Wenn ein 30-jähriger sich in eine Schülerin verguckt und diskret und auf professionelle Weise das anbahnt, ist das zwar grenzwertig, aber naja, kann passieren. Würde ein 30jähriger alle Schülerinnen anbaggern die in sein Beuteschema fallen, dann ist es nicht OK! Und natürlich wäre es schön, wenn Alter,Herkunft, etc. keine Rolle spielten, aber so ist es nun mal. Meiner Erfahrung nach verpartnern sich in erster Linie Leute, die denselben Background haben. Zudem kannst du nie "erwarten", dass einer auf dich steht. Du kannst es erhoffen, bzw. dir gewisse Chancen ausrechnen, aber erwarten kannst du es nicht.

  • Maren

    Ich weiß nicht, ob das was bringen würde… Und mit welchem Ziel? Gekündigt werden kann er nicht, frühzeitige Pensionierung glaub ich auch nicht dran. Der Mann scheint mir (ich kenn ihn ja recht gut, sofern man das bei einem Lehrer sagen kann) fernab jeglicher Realitäten, wenn er schon Ansprachen von "ganz oben" ignoriert. Er wäre nicht einsichtig. Und später würde er sich bei "seinen Jungs" (er hat ne Fußball-AG an der Schule) darüber auskotzen, was denn die empfindlichen Weiber auch wieder haben. So ähnlich hat er ja in meinem Lateinkurs auch den Vorfall auf der Schule wo er vorher war beschrieben. Der Mann ist schlicht beratungsresistent, von daher ist ein Posten in der Erwachsenenbildung, wo die Mädels taffer sind, und wo der Rektor Bescheid weiß und ein Auge drauf hat die Idealkombination.

  • Khaos.Kind

    Hätte als Ziel eher Bewusstseinsbildung bei allen anderen angestrebt – wenn schon nicht bei ihm. Dass bei wiederholten Vorfällen auch Menschen die Problematik sehen und ansprechen und eingreifen, die eben nicht direkt betroffen sind. Seien es jetzt die Schüler oder andere Lehrer. Die Problematik bei Menschen, die gewisse Gruppen wie z.B. Frauen* nicht ernst nehmen, dann braucht es Verbündete, er ernst nimmt z.B. Männer*. Dann kann er sich auch in seiner Fußball-AG nicht mehr auslassen. (die fänden es sicher auch nicht so knorke, wenn er ihnen "potentielle Beute" abstreitig macht)Ich würde also gar nicht mehr an ihm und seinem fehlenden Bewusstsein ansetzen. Gerade nicht, wenn er beratungsresistent ist. Aber wenn Moses nicht zum Berg kommt, muss der Berg eben zu Moses und wenn das Umfeld solche Handlungen und subjektive Beurteilungen nicht mehr toleriert, dann ist ja wurst wie er denkt – er wird wahrscheinlich trotzdem anders handeln. Weißt du, was ich meine?

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