Kosmetik, ja oder nein?

Das sollte eigentlich eine Antwort auf den Kommentar von Leszek  werden, wurde aber ein wenig zu umfangreich. 😀

Ich kann zu diesem Thema nur meine persönliche Sichtweise angeben, eben weil das Thema, wie sehe ich aus, was mache ich mit meinem Geld, was mache ich mit meiner Zeit, so persönlich ist.

Ich muss dazu auch sagen, dass ich in letzter Zeit enorm viele Beautyblogs lese.
Für die die es nicht kennen, das sind Blogs über Kosmetikprodukte von weiblichen Nerds 😀
Die bloggenden Mädels haben grösstenteils studiert/studieren noch und haben ein unfassbares Know-How, was Farben, Texturen, Marken, Auftrag und Inhaltsstoffe angeht, welches sie sich meist selbst beigebracht haben und worüber sie sich mit einer Leidenschaft und Begeisterung austauschen, die schon beim Lesen Spaß macht. Diese Blogs haben einen unfassbaren Einfluß gewonnen, der soweit geht, dass Kosmetikkonzerne den Bloggerinnen die neusten Produkte zuschicken.

Sie tun das aber nicht, weil sie irgendeinem fremden Standard entsprechen wollen (es gibt diese Bloggerinnen in allen Farben und Formen ;D), sondern weil es ihnen Spaß macht.
Ich sehe da oft „phantasievolle“ Make-Ups mit denen würden die wenigsten auf die Straße gehen.
Sie schminken sich um ihre Persönlichkeit auszudrücken, es ist ihr Hobby. Ähnlich wie Briefmarkensammeln. Und sie vermitteln dieses „Que sera“-Gefühl sehr schön, alles kann, nix muss.

Ich kann mich mit dieser Einstellung wunderbar identifizieren und fänd es schön, wenn mehr Mädchen so eine Einstellung zu Make-Up bekämen, dass es eine hübsche Spielerei (!) ist, die dein Leben bunter machen kann. Das fände ich sehr gesund im Vergleich zum gefürchteten „Oh mein Gott, ich muss das tun sonst liebt mich niemand!“
Soviel zum Bodyimage.

Dein anderer Kritikpunkt war die Kosmetikindustrie und ihr Bestreben, ihre Produkte zu verkaufen.
Die meisten Bloggerinnen reviewen natürlich auch die benutzten Produkte, was oftmals darauf hinausläuft, dass die angepriesenen scheißteuren Sachen genausogut sind wie günstigere Sachen oder sogar schlechter, was in den Sachen drin ist, oder wer eigentlich die Marke hinter den bunten Werbebildchen ist. 

Dadurch werden mEn einige Mechanismen der Konzerne ausgehebelt, wie zum Beispiel der, dass ein hohes Werbebudget nicht für Qualität stehen muss oder dass das „Bio“-Schildchen des Produkts blanker Hohn ist, weil dieses voll mit Erdöl oder Silikonen ist, oder das Marken boykottiert werden, weil Tierversuche durchgeführt werden oder Ausbeutung dahinter steht. (Und ich muss sagen, trotzdem, dass die Bloggerinnen oft die neuen Produkte bekommen, werden diese immer ehrlich bewertet. Zumindest bei den Blogs die ich lese)
Ich sehe das als die Stimme des Volkes und begrüße diese Entwicklung. Es ist schön, dass da ein Bewusstsein erzeugt wird. Das ist wieder ein Schritt weg vom hirnlosen „Oh mein Gott, Marke XY sagt ich muss das haben! Marke XY ist sooo toll, weil Heidi Klum für sie Werbung macht“ zum verantwortungsvollen Verbraucher hin. 

Natürlich fliesst dann immer noch ein Schweinegeld zu den Konzernen, aber immerhin müssen die Konzerne auch etwas tun für ihr Geld, weil es schwieriger wird, die Kundschaft rattenfängermäßig zu verführen. 

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2 responses to “Kosmetik, ja oder nein?

  • Leszek

    Also gegen diese Beauty-Blogs und die von Dir beschriebene spielerische und kreative Haltung habe ich nichts einzuwenden.Macht und Einfluss der Konzerne sehe ich natürlich trotzdem als negativ. Bezüglich eventueller Verflechtungen zwischen Konzernen und Beauty-Blogs sollte man sich sicherlich auch einen kritischen Blick bewahren.Grundsätzlich fehlen mir hier ausreichende Kenntnisse, um diese Sachen fundiert beurteilen zu können.Insofern manche Beauty-Blogs tatsächlich eine kritisch-aufklärende Funktion hin zum verantwortungsvollen Verbraucher erfüllen, würde ich dies natürlich auch positiv bewerten.Ich finde unsere Kommunikation zum Thema übrigens insofern amüsant, als dass hier völlig unterschiedliche Mentalitäten und Zugänge bezüglich der Thematik aufeinandergeprallt sind.(Ich gönne Dir dieses Hobby natürlich voll und ganz.)Weitere Meinungen zum Thema fände ich interessant.

  • Leszek

    Das Ende meines letzten Beitrages war zu unklar formuliert. Gemeint war: Der rein abstrakte Zugang meinerseits zum Thema trifft auf Deinen kreativen und konkreten Zugang zum Thema, was mir dann ein tiefergehenderes phänomenologisches Verständnis der Sache ermöglicht. So ähnlich, wie wenn jemand, sagen wir mal, über die Kommerzialisierung des Fußballsports räsoniert, ohne je Fußball gespielt zu haben oder mit einem Fußballer über das Thema gesprochen zu haben und dann auf einmal von einem Fußballer über die konkreten und kreativen Aspekte des Fußballspiels informiert wird – also genötigt wird eine andere als die gewohnte abstrakte Perspektive zu dem Untersuchungsgegenstand einzunehmen und dadurch dann besser versteht, warum es anderen Menschen Spass macht Fußball zu spielen. So, das war hoffentlich weniger mißverständlich formuliert.

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