Männer, Frauen, einparken, zuhören, brechen.

Wie versprochen hier endlich die Review von „Warum Männer nicht einparken können und Frauen schlecht zuhören“ Oder wars andersrum?

Wir starten bezeichnenderweise mit einer Aufnahme von Leuten die schlechte Affenkostüme tragen und so tun als seien sie irgendwie in der Steinzeit. Homo neanderthalensis, homo erectus, überhaupt schon homo? Egal. Sie tummeln sich zwischen Steinen, der weibliche Vormensch benutzt einen Maiskolben (?) als Nagelfeile und der Sprecher aus dem Off informiert uns, dieses sei ein Lehrfilm über die Unterschiede von Männern und Frauen. Juhu.

Ich wittere ein Trinkspiel, werde es aber, da ich morgen früh raus muss, mit Mineralwasser durchführen, welches ich aus Pinnchen nippe und so tue als sei es Wodka. Also, Nagelfeile bei weiblichem Affen, großer Schluck.

Der Sprecher erzählt ein wenig weiter, zeigt noch einen bärtigen Steinzeitmann und eine Frau mit Unibraue, in Fellreste gekleidet, dann Schwenk auf Benno Fürmann, der in der Moderne die Figur Jan ist. Ach Benno. Du bist doch talentiert. Was hat dich geritten? Seufz. Jan quatscht also eine Frau an, weil das ja „sein Evolutionsauftrag“ sei. Schluck.

Als nächstes treffen wir Kathrin, die einen Parkplatz sucht, mit der wir uns aber vorerst nicht näher beschäftigen, weil das „dauert“. Schluck.

Ferner treffen wir Angie, die gerade Paul für Sven verlässt. Im Leopardencatsuit, mit rotem Mantel. Aha, die obligatorische Schlampe. Schluuuuck! Paul stürzt sich daraufhin vom Hausdach,was von zwei Sanitätern beobachtet wird.

Zurück zu Kathrin, welche gerade den Verkehr aufhält, weil sie in eine lächerlich einfache Parklücke nicht hineinkommt, weiterfährt und eine riesige Parklücke findet, die sich als Bushaltestelle herausstellt. Schluck. Ein Bus kommt, sie setzt sinnloserweise zurück, und macht ein überaus riskantes Wendemanöver auf einer dichtbefahrenen Kreuzung. Riesiger Schluck. Zuguterletzt setzt sie rückwärts in eine Parklücke und schrammt den nebenstehenden Sportwagen an. Schluckschluckschluck. Wir haben die 5 min-Marke soeben überschritten, Freunde. Ich wäre jetzt schon bewusstlos, wenn das in der Flasche Wodka wäre. Wird mir zu riskant hier. Also kein Trinkspiel mehr.

Wir bewegen uns zu Jan, der gerade ein Rendezvous hat, was mit Evogeschwafel wie „Männer wollen ficken, Frauen Bindung“ unterlagert wird. Das wird subtil durch Jans Date, die auf das „schöne Licht“ auf der Straße hinweist untermalt, was Jan zu der Bemerkung hinreißt, dass „Herta da hinten heut ein Testspiel hat“. Ach Männer. So sind se. Diese schöne Szene wird von Kathrin, die unten auf der Straße Jans Sportwagen anschrammt, rüde unterbrochen. Jan rennt runter und kloppt sich verbal mit Kathrin (Screwball-Wannabe) während sein Date seine Videos durchsucht. Drittliga-Fußball und Katastrophenfilme. Datefrau (namenlos, was soll ich machen) teilt diese Interessen nicht, kein Wunder, wie uns der Sprecher mitteilt, diese Interessen seien evolutionsbedingt und geschlechtsspezifisch. Fußball und Katastrophenfilme. Ernsthaft.

Auftritt Rüdiger, Freund von Jan, der sich sofort von Jans Date Melanie (na bitte) angezogen fühlt, weil „rotes Haar bei Frauen einen besonders hohen Östrogenspiegel signalisiert“. Flirt, blabla, uninteressant. Gehen wir wieder zu Jan, welcher der abgerauschten Kathrin hinterherrennt, indem er ihren Fußspuren folgt (get it?). Er trifft sie bei einer Lesung von sexistischem Dschungel-Softporn, bekommt wgn. Versicherung ihre Adresse und natürlich fängt es an zu regnen, als Jan klar wird, dass er von ihr angezogen ist. Es kommt wie es kommen muss, Rüdiger und Melanie heiraten, Jan und Kathrin sind als Paar dabei, sie beschließen zusammenzuziehen  und dem Zuschauer wird schmerzhaft klar, dass es jetzt grade erstmal anfängt.

Also, der Film hat mich genau nach der Steinzeit-Sequenz wo SteinzeitJan SteinzeitRüdiger in Scheiße fallen lassen hat und dargestellt wurde, wie Steinzeitfrauen ihre Zeit so verbringen (indem sie u.A. Herzchen an Felsen malen und „Popo“ dazu sagen) , endgültig verloren. Die Protagonisten sind unsympathisch und oberflächlich, die Thesen lächerlich und sexistisch, und niemand kann mich zwingen, noch mehr Lebenszeit an diese Scheiße zu verschwenden. Tut mir leid.

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19 responses to “Männer, Frauen, einparken, zuhören, brechen.

  • Robin Urban

    Aus Gründen, die mir nicht mehr bekannt sind, war ich damals sogar im Kino *facepalm*

    • marenleinchen

      Nein! Wie isses ausgegangen? Ich hab beim rumspulen noch gegen Ende eine Flughafenszene erahnen können, hatte aber keinen Bock mehr.

      • Robin Urban

        Ich kanns beim besten Willen nicht mehr sagen, schon das was du beschrieben hast existiert in meiner Erinnerung nur noch schemenhaft… ich weiß eigentlich nur noch das mit dem Dekolleté, das bei Männern so beliebt ist, weil es wie ein Hintern aussieht -.-

        Ich glaube übrigens, dass man mit dem Film durchaus Spaß haben kann, wenn man ihn als Satire betrachtet. So wie Barney Stinson eine Verarsche aller PUAs ist, ist dieser Film eine Verarsche der evolutionshörigen Biologisten :mrgreen:

  • onyx

    Da sagt man immer, dass Bücher meist besser sind als ihre Verfilmungen. Hier bin ich nicht sicher, was von beidem schlimmer ist.

  • Khaos.Kind

    Ich hab mir den Film auch mal angetan und ihn wieder aus meinem Gedächtnis gelöscht. Das Buch war ja schon furchtbarer Müll aber der Film schafft es echt, das auch noch zu toppen!

    • marenleinchen

      Ich hab ja echt ne hohe Toleranzschwelle was grottige Filme angeht, ich bezeichne „Showgirls“ als einen meiner Lieblingsfilme.
      Aber der war noch nichtmal so schlecht, dass es lustig ist, einfach nur schlecht. Brrrrr.

      • onyx

        Ich hab Showgirls auch gesehen und finde es ziemlich trashig. Da wurden ja so ziemlich alle Klischees über das Las Vegas Showgeschäft reingepackt, die es gibt. Macht, Intrigen, Eifersucht, Gewalt, Showlesben, alles oversexed. Klar, dass dann auch eine knallharte Vergewaltigung nicht fehlen durfte. Naja, immerhin hat der Vergewaltiger ordentlich eins in die Fresse gekriegt…

      • marenleinchen

        Ja, aber das ist so überzogen, dass es schon wieder lustig ist. Besonders die Dialoge zwischen den Frauen (wie aus dem Leben gegriffen) und die Tanzszenen. Großartig. Mit den richtigen Leuten und Likörchen ein Riesenspaß 🙂

      • onyx

        „tanzen ist nicht ficken“.. der intelligenteste Satz in dem Film *g*

  • Haselnuss

    Hast du irgendetwas anderes von diesem Film erwartet?

  • mono

    Sowas guckt man ja auch nicht, wenn man mental einigermaßen auf der Reihe ist (^.^)

  • Christian - Alles Evolution

    das bei einer deutschen Komödie zu dem Thema nichts rauskommen kann habe ich mir gleich gedacht.

    als nächstes dann vielleicht einen Klassiker?

    deine Sicht auf Pretty women oder Dirty Dancing würde mich z.B. interessieren

    • marenleinchen

      WomAn. Singular *klugscheiß*

      • Christian - Alles Evolution

        ups, ja, richtig.

        würde mich jedenfalls interessieren.

        ich finde in beiden filmen die Charakterdarstellung und die Darstellung der Entwicklung der Liebesgeschichte besprechenswert.

        Folgen den klassischen pickupstrukturen. Du würdest sie wahrscheinlich anders beschreiben. deine Strukturdarstellung dafür, also eine Darstellung, warum man die Liebesgeschichte in diesem filmen glaubt und die sich zu Klassikern entwickeln konnten würde aber sicherlich von meiner abweichen. auch bei Titanic ist es ein interessantes Muster.

      • marenleinchen

        Das mag daran liegen, dass PU dergestalt gestrickt ist, dass alles, was auch nur im entferntesten mit sexuell aktiven und/oder sympathischen Menschen zu tun hat, unter PU fällt. Im Zweifelsfall haben se halt Status.

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