Der Aufschrei der Schäbbigen und Unlustigen. Und Holzbeine.

Man sagt ich sei eine attraktive Frau. Charmant auch. Über nette Komplimente freue ich mich, wie es wohl jeder tut. Ich bin selbstbewusst und souverän.

Es sei denn, jemand wird übergriffig. Stellt unqualifizierte Vermutungen über mein Sexleben an. Unterhält sich mit Körperteilen von mir, statt mit mir als Person. Betitelt mich demütigend. Oder fasst mich gar unerwünscht an.

Darauf reagiere ich selbstbewusst, aber souverän ist das dann trotzdem nicht mehr. Zumindest wenn man einem großen Teil der Reaktionen auf die #aufschrei-Kampagne glauben darf. Souverän wäre wohl Ignorieren („da stehst du doch drüber“) oder humorvoll-ironisches Auf-die-Fingerchen-hauen („Na na, Herr Kommerzienrat, was sagt denn ihre Frau wohl dazu?“). Das tut dem anderen nicht weh, auch muß er sich dankbarerweise nicht damit auseinandersetzen, dass sein Verhalten nicht lustig oder sexy, sondern vielmehr ziemlich kacke ist.

Und das allerwichtigste: Man macht sich nicht unattraktiv, im Gegenteil! Man ist die, die dann schwer zu kriegen ist, bzw die die so herrlich „unemanzipiert“ und „locker“ ist.  Ein keckes junges Ding. „Richtige Frauen“ wissen das. Sie wissen auch, dass man Männer auch mal gewähren lassen sollte, die brauchen das ja, wir Mädels stehen da doch drüber, hab ich Recht? *zwinker-klimper* Und ernsthaft, das tut dir doch nicht weh, wenn man dir auf die Brüste starrt und von einem Klaps auf dem Po ist auch noch keiner gestorben. DA STEHST DU DOCH DRÜBER!!!

Nee. Da steh ich nicht drüber, da bin ich nämlich beteiligt. Es ist nicht ok, wenn sich jemand das Recht rausnimmt, mich respektlos zu behandeln, weil ich im Besitz eines Paars Brüste bin (und nein, ich trage in der Regel keine Ausschnitte bis zum Bauchnabel, bevor DIE Diskussion anfängt).

Man stelle sich nun vor, statt meiner sekundären Geschlechtsmerkmale wäre es, sagen wir, ein Holzbein, das mich von meinem Gegenüber unterscheidet, was diesen dann dazu verleitet, ständig dumme Sprüche zu machen  wie „Na, heute schon dein Holzbeinchen poliert?“ oder „XY soll mal ihr Holzbein zeigen, dann kriegen wir nen Behindertenbonus“ oder mich „Hinki“ nennen oder so. Und alle ohne Holzbein würden ständig auf selbiges starren. Oder versuchen es mal anzufassen. Und wenn ich mich nun deswegen beschwere und mir solche Übergriffigkeiten verbitte, heißt es dass ich mich doch mal locker machen soll. Andere Holzbeinige haben da auch kein Problem mit. Hätt ich halt mein Holzbein nicht mit so nem aufreizendem Lack lackieren sollen. Und überhaupt, SO geil wäre mein Holzbein ja auch nicht, was ich mir denn einbilde ich dummer Krüppel?

Nicht schön oder? Könnte man auch verstehen, wenn Holzbeinige eine Anti-Diskriminierungs-Kampagne starten würden, nich?

Aber nun, werden einige sagen, Menschen mit Holzbein KÖNNEN ja nichts für ihre Holzbeinigkeit! Richtig. Und Frauen können nichts dafür, dass sie offenbar so geil sind, dass viele Männer (in verschiedenen Abstufungen) komplett ihre Kinderstube vergessen und obendrein, dass sie es mit einem Menschen zu tun haben, der verletzt werden kann.

Natürlich könnten die Einen ihr Holzbein gegen eine unauffälligere Prothese tauschen, die Anderen verstärkt darauf achten, dass man so wenig wie möglich sieht, dass sie eine ansehnliche Frau sind.

Aber ich denke jeder sollte sich fragen, ob man in einer Gesellschaft leben möchte, wo für den von der Norm abweichenden (men are the default) Vermeidung von Unannehmlichkeiten zwangsläufig über der persönlichen Präferenz stehen. Stehen müssen.

Good night and good luck.

Advertisements

28 responses to “Der Aufschrei der Schäbbigen und Unlustigen. Und Holzbeine.

  • onyx

    “ (und nein, ich trage in der Regel keine Ausschnitte bis zum Bauchnabel, bevor DIE Diskussion anfängt).“

    Ich finde diese Diskussion über „provozierende Kleidung“ ermüdend. Ja es werden mindestens genauso viele unscheinbare Frauen belästigt, wie sexy gekleidete. Das ist längst bewiesen worden. Aber welchen Unterschied macht das? Diese ständige Betonung „aber ich war ganz normal gekleidet!“ hat für mich den Unterton „wäre ich sexy aufgedonnert gewesen, wäre es was anderes…“ NEIN, WÄRE ES NICHT!! Was ist daran schwer zu verstehen? Männer sind keine Tiere ohne Verstand. Also kann man auch nicht so tun, als wäre es so und die Verantwortung für ihr inakzeptables Verhalten an Frauen abgeben, deren einziges Verbrechen es ist, Brüste zu haben.

    • Stephi

      Hast du es immernoch nicht begriffen? Das logisch denkende, vernunftsbetonte und interlektuell überlegende Geschlecht ist kaum in der Lage, sich zu beherrschen, sobald sich der Ausblick auf ein dezentes Dekolleté bietet. Ganz, ganz gemein, dieser männliche Sexualtrieb (*ironieoff*)

  • Der-komische-Olle

    @onyx: „Ja es werden mindestens genauso viele unscheinbare Frauen belästigt, wie sexy gekleidete. Das ist längst bewiesen worden.“
    Das ist schön ! Nur fehlt uns der Beweis: DER BEWEIS und die Art der Unscheinbarkeit und der „sexy Bekleidung“!

    Wie sieht es denn bei Trägern der Burka aus ?

    @marenleinchen: „Man stelle sich nun vor, statt meiner sekundären Geschlechtsmerkmale wäre es, sagen wir, ein Holzbein, das mich von meinem Gegenüber unterscheidet, was diesen dann dazu verleitet, ständig dumme Sprüche zu machen …“

    Das Beispiel ist einfach misslungen. Das kommt beim Schnell-Schreiben schon mal vor. Ich würde da einfach nochmal von Vorne beginnen.

    Und dass Sie – wer hätte das gedacht – das haben, was da Brüste genannt wird, ist wichtig und wichtig ist zu wissen, „ich trage in der Regel keine Ausschnitte bis zum Bauchnabel“

    Es ist nämlich so, dass man das Brustbein zu sehen kriegt, bei einem ungedeckten Defizit und bei körperlicher Fülle. Die Natur hat nämlich, das, was biologisch betrachtet, Fett- und Drüsengewebe ist, so eingerichtet, dass man es normalerweise nicht zu Gesicht bekommt. Diese bei Frauen gelegentlich besonders ausgeprägten Teile ihres Körpers divergieren zum einen und zum anderen gehorchen Sie den Gesetzen der Schwerkraft. (Den Gesetzen des Falles gehorcht auf Erden wirklich alles!).

    Normalerweise. Man hat aber Ende des 19. Jahrhundert eine Prothese erfunden. Mit der kann man muskel- und knochenfreies Gewebe in alle Himmelsrichtungen schieben, quetschen und heben. Und komischerweise geschieht das immer häufiger zur Mitte und nach oben, knapp unterhalb des Kinns. Und so, dass bei manchen zuerst der BH durch die Türe kommt bevor man die – attraktiv sein wollende – Trägerin zu Gesicht bekommt. Gut ,… ich übertreibe ein wenig.

    Dafür hat man aber auch ein Fenster eingerichtet, hinein ins volle Menschenleben, bis etwa einschl. des vierten Brustwirbels und nach links und rechts soweit die Halter tragen. Es dient – das haben Studien bewiesen – nicht der Ventilation und Entlüftung ;-). Und das geht ganz ohne das vielleicht auch noch vorhandene Holzbein. Warum hat marenleinchen nicht das Beispiel des Holzkopfes gewählt ?

    Ein non-verbales Angebot. Eine sexuelle Belästigung ! Von eingezwängten Oberschenkeln, Hintern, freigelegten Oberarmen, zeitweise auch Bauch ganz abgesehen: sexuelle Belästigung und eine ziemliche Zumutung ! Und nicht zu selten wenig ästethisch. Wie wäre es wenn Männer solches als sexuellen Übergriff und eine Zumutung an ihre Libido, vermeintliche oder tatsächliche, empfänden und mal einen shitstorm losträgen ?

    Für die, die nicht in ihre Kleidung passen, kann man auch mal von Seiten der Frauen an Frauen den Rat geben, dass es für jeden Körperbau eine passende Körbergröße gibt. Im Zweifel den weiten Faltenwurf.

  • Haselnuss

    Ich merke mal an, dass nicht nur Frauen mit dummen Sprüchen, merkwürdigen Blicken, einem langsamen, suggestiven „Bekrallen“* der Brust oder einem beherzten Griff in den Schritt konfrontiert werden.

    • marenleinchen

      Natürlich. Aber ich behaupte jetzt ganz einfach mal, dass es Frauen häufiger passiert, zudem auch in gruseligeren Kontexten (Typ, zwei Köpfe größer, rennt mir hinterher, während er Sprüche schickt)

      • Haselnuss

        1. a) Darf ich daraus lesen, dass meine Erlebnisse nicht so schlimm sind?
        b)Ich glaube wiederum, dass es Frauen seltener passiert.
        2. Mir fällt ein Wechsel auf, von völlig Unbekannten ungefragt
        begrapscht werden zu rennt-mir-hinterher-schickt-Sprüche. Das sollte man eventuell auseinanderhalten.

      • marenleinchen

        1.a) Nein
        b) Das darfst du ruhig glauben, aber meiner Erfahrung nach gibt es kaum Frauen, die nicht solche Erfahrungen haben. Es wird nur in der Regel nicht darüber geredet, weil wir ja alle gleichberechtigt sind und sowas ja dann nicht vorkommt, es sei denn, die Frau hat es irgendwie herausgefordert. Oder sie bildet sich was ein.Oder die Männer sind halt so, und man kann eh nix dagegen machen (sh. Wibke Bruhns). Oder sie kriegt zu hören sie solle sich mal locker machen.
        Was ich übrigens mit diesem Artikel ausdrücken wollte.

        2) Da gibt es keinen Wechsel. Das rangiert beides unter Belästigung.

  • Haselnuss

    „b) Das darfst du ruhig glauben, aber meiner Erfahrung nach gibt es kaum Frauen, die nicht solche Erfahrungen haben.“
    Wenn ich mich richtig erinnere, hatte ich genau ein solches Erlebnis, als ein Volltrunkener eine Freundin von mir angequatscht hat, ohne zu checken, dass sie darauf keine Lust hat – womit ich deine Erfahrungen keineswegs in Zweifel ziehen will.

    „Es wird nur in der Regel nicht darüber geredet, weil wir ja alle gleichberechtigt sind und sowas ja dann nicht vorkommt, es sei denn, die Frau hat es irgendwie herausgefordert. Oder sie bildet sich was ein.Oder die Männer sind halt so, und man kann eh nix dagegen machen (sh. Wibke Bruhns). Oder sie kriegt zu hören sie solle sich mal locker machen.
    Was ich übrigens mit diesem Artikel ausdrücken wollte.“
    Ist mir durchaus aufgefallen, dass du das mit dem Artikel ausdrücken wolltest.

    „Es wird nur in der Regel nicht darüber geredet(…)“
    Das wiederum denke ich nicht. Nachdem es gegen sexuelle Belästigung Gesetze gibt, hat irgendjemand schon einmal darüber geredet, mindestens die Parlamentarier, und war damit insofern erfolgreich, dass das Beredete in Gesetze gegossen wurde.

    „2) Da gibt es keinen Wechsel. Das rangiert beides unter Belästigung.“
    Das kann man durchaus unter dem gleichen Label fassen, nämlich Belästigung, aber das eine ist schlimmer als das andere. Oder?

    • marenleinchen

      *Das wiederum denke ich nicht. Nachdem es gegen sexuelle Belästigung Gesetze gibt, hat irgendjemand schon einmal darüber geredet, mindestens die Parlamentarier, und war damit insofern erfolgreich, dass das Beredete in Gesetze gegossen wurde.*

      Das ist ja auch gut und richtg. Nur nutzen diese Gesetze als Prophylaxe nicht viel.

      *Das kann man durchaus unter dem gleichen Label fassen, nämlich Belästigung, aber das eine ist schlimmer als das andere. Oder?*

      Nee. Wirklich nicht. Ist beides ungeheuer beängstigend.

  • Haselnuss

    „Das ist ja auch gut und richtg. Nur nutzen diese Gesetze als Prophylaxe nicht viel.“
    Kein Gesetz wirkt wirklich vorbeugend. Im Strafrecht kann der Versuch bestraft werden, aber die Mehrheit der Verurteilungen, behaupte ich jetzt mal, erfolgt nach dem durchgeführten Verbrechen.

    Natürlich wäre es toll, wenn das anders wäre, wird es aber nicht.

    „Nee. Wirklich nicht. Ist beides ungeheuer beängstigend.“
    Dann sehen wir das unterschiedlich.

  • Ianeira

    Haselnuss: „Ich glaube wiederum, dass es Frauen seltener passiert“

    Ich habe gerade kurz nach einer seriösen Quelle gesucht, die Zahlen zur sexuellen Belästigung von Frauen und Männern widergibt.
    „However, over 90% of people who are sexually assaulted are female.“
    http://www1.villanova.edu/villanova/studentlife/counselingcenter/infosheets/sexualassault.html
    Das heißt nicht, dass deine Erfahrungen weniger schlimm sind, oder die Erfahrungen von Frauen schlimmer. Das heißt nur, dass im Schnitt viel mehr Frauen betroffen sind.

    Es ist nicht in Ordnung, die Erfahrungen anderer runter zu spielen. Schon gar nicht bei so gravierendem wie Belästigung (in dem Fall zähl ich da unabhängig vom juristischen Begriff alle verbalen, non-verbalen Sachen rein, und Berührungen sowieso).
    Du kannst nicht wissen, wie schlimm die Situation für jemanden, war, also schreib ihm oder ihr nicht vor, ob es nun schlimmer, oder weniger schlimm als Situation XY war.
    Frauen haben IM SCHNITT das Problem, dass der Mann größer oder kräftiger ist als sie, was die Situation bedrohlicher macht.

    Zum nicht über sexuelle Belästigung reden: Nach meinen Erfahrungen ist das so. Es wird kaum drüber geredet, und wenn man das Thema mal anschlägt, ohne einen Vorwurf oder Verallgemeinerung, dann beginnt sofort das derailing. Zum teilen von Geschichten wie beim #aufschrei kommt es nur sehr selten, meist online. Ich hab sowas noch nicht offline erlebt.
    Ist das bei Männern anders? Teile doch deine Erfahrungen mit uns, dass bringt allen mehr.

    • Haselnuss

      @Ianeira
      „a) Es ist nicht in Ordnung, die Erfahrungen anderer runter zu spielen.
      b) (…) also schreib ihm oder ihr nicht vor, ob es nun schlimmer, oder weniger schlimm als Situation XY war“
      a) Ich respektiere Marens Erfahrungen als die Erfahrungen, die sie gemacht hat. Das schreibe ich sogar explizit und du hättest es in meinem Beitrag lesen können und eigentlich auch lesen müssen.
      b) Wie du auf den Gedanken kommst, ich wolle Maren oder irgendjemandem Vorschriften machen, entzieht sich komplett meinem Verständnis. Gelesen hast du das in meinem Beitrag bestimmt nicht.

      „Frauen haben IM SCHNITT das Problem, dass der Mann größer oder kräftiger ist als sie, was die Situation bedrohlicher macht.“
      Der Mythos Männer seien aufgrund ihrer Größe weniger bedroht, ist genau das, ein Mythos. – Das subjektive Bedrohungsgefühl unterscheidet sich allerdings bestimmt.

      „Ich habe gerade kurz nach einer seriösen Quelle gesucht, die Zahlen zur sexuellen Belästigung von Frauen und Männern widergibt.“
      Du hast keine seriöse Quelle gefunden. Was du gefunden hast, ist eine Website, die behauptet, es sei so.

      „Ist das bei Männern anders? Teile doch deine Erfahrungen mit uns, dass bringt allen mehr.“
      Meine recht frische Erfahrung ist, dass zwar alle sagen, meine Erfahrungen als Mann wären nicht weniger schlimm, dann aber keine zwei Sätze später immer dieser Satz folgt: „Für Frauen ist Belästigung aber bedrohlicher.“

      Ansonsten hat es niemanden je groß gekümmert, dass sich zB mein/e Chef/in äußerst ungebührlich und entgegen meinem Willen für meinen Penis interessiert hat.
      Nicht, dass irgendetwas Schlimmes passiert wäre oder ich schwer darunter leiden würde, aber meine Erlebnisse im Nachgang der Belästigung mit – vor allem – Frauen (O-Ton: „Du willst dich doch nur wichtig machen.“) waren in diesem Zusammenhang ein Grund, der mich zu den Männerrechtlern geführt hat.

      • marenleinchen

        *Ansonsten hat es niemanden je groß gekümmert, dass sich zB mein/e Chef/in äußerst ungebührlich und entgegen meinem Willen für meinen Penis interessiert hat.*

        Das ist kacke. Was ist denn passiert? Wenn ich fragen darf.

      • Haselnuss

        Du darfst selbstverständlich.

        Wein- und bierseliger Abend unserer Abteilung, Zeit zum Aufbruch, Chef/in sagt sofort „Ich komme mit dir.“ Das kam mir irgendwie komisch vor, aber ich war jung (~20) und damals noch naiv, außerdem hatten wir in etwa denselben Weg. Als es Zeit wird, dass ich abbiege, drehe ich mich kurz weg- und dann wieder hin und sage dabei: „Ich gehe da entlang“. Gerade als ich mich wieder hindrehe, bekomme ich die Lippen ab. Ich sage: „Nein, du bist verheiratet.“ (wenigstens ist mir etwas eingefallen). Der nächste Anlauf landet auf meiner Hand, die ich vor mein Gesicht halte. Nachdem das mit dem Küssen schon so gut gelaufen ist, geht es direkt zwei Etagen tiefer und ich werde am Schwanz „massiert“. Tja, dann stehst du da auf offener Straße und denkst dir, du seist im falschen Film. Mehrere Aufforderungen und mehrere Griffe, um die Hand zu lösen, später (an dieser Stelle wurde der Griff schmerzhaft – ich kann die Art des Schmerzes einer Frau wahrscheinlich nicht vermitteln), kam endlich die Einsicht, dass ich es tatsächlich ernst meine und ich kann nach Hause. Zu meiner damaligen Freundin. Von der Chef/in ebenfalls weiß.
        Ich habe noch Wochen später E-Mails erhalten.

        Aber, wie gesagt, die Reaktionen hinterher, als ich es erzählt habe, taten mehr weh. Wie ich beim Schreiben meines Beitrages festgestellt habe, auch heute noch.

      • marenleinchen

        Mies. Echt mies. Zur Erklärung (nicht Entschuldigung!), es kommt tatsächlich so gut wie nie vor, dass eine alkoholgeschwängerte Anmache von einem Mann abgelehnt wird, da kann er vergeben sein wie er will. Aber wie gesagt, entschuldigt nix.
        Hattest du denn danach noch Schwierigkeiten, dass sie dir Steine in den Weg geschmissen hat?

      • Ianeira

        Sorry, aber den von dir zitierten Teil ganz oben finde ich nicht. Heißt nicht, dass ich dir nicht glaube.

        Dafür hab ich ne bessere Quelle: http://vmrz0183.vm.ruhr-uni-bochum.de/gendercrime/pdf/gendercrime_country_report_germany_german.pdf
        Die Seite 19 ist Interessant, die 26 auch. Kein direkter Vergleich nach Geschlecht der Betroffenen in zahlen.
        Das heißt natürlich fürs Individuum nichts. Deine Erfahrungen von Belästigung sind nicht weniger scheiße, nur weil es mehr Frauen passiert.
        Das dein Umfeld das so verleugnet ist scheiße und falsch. =(

      • Haselnuss

        @Ianeira:
        „Sorry, aber den von dir zitierten Teil ganz oben finde ich nicht. Heißt nicht, dass ich dir nicht glaube.“
        Ich kann übers Internet keine Gedanken lesen. Welchen zitierten Teil, den du nicht finden kannst, meinst du?
        Ansonsten kann man Webseiten mit strg+f nach Wortabschnitten durchsuchen.

        „(…) nur weil es mehr Frauen passiert.“
        Du benutzt eine Untersuchung, die ausschließlich Studentinnen befragt, als Grundlage, um zu schließen, Männer wären von diesem Phänomen weniger betroffen. Kann es sein, dass du sehr jung bist?
        Btw.: Du wirst einen offiziellen Gewaltbericht für Männer – analog zum Gewaltbericht der Bundesregierung für Frauen – nicht finden. Es gibt ihn schlicht nicht.

        „Das dein Umfeld das so verleugnet ist scheiße und falsch.“
        Danke für deine Anteilnahme.

      • Ianeira

        Ah… Mist. Wärend ich den Kommentar geschireben (und zwischendurch zu Abend gegessen) habe, kamen noch zwei Kommentare, die ich entsprechend nicht bemerkt haben. Das verzerrt den ganzen Sinn meines Kommentars. Zudem ist mir gerade aufgefallen, das du mich zitierst. Hab mir igrendwie eingebildet, du würdest dich selbst, von weiter oben zitieren. Missverständnis meinerseits. Suchfunktion ist mir zu spät eingefallen.

        Ich versteht, wenn mein Kommentar dir nach deiner Erzählung sehr grob vorgekommen sein muss. Das tut mir leid. Du hast meine volle Anteilnahme und die Sache ist echt richtig zum kotzen. Es muss mehr Sensibilität für jede Art von Grenzüberschreitendem Verhalten geben, egal gegen welches Geschlecht oder Altersklasse.

        „Btw.: Du wirst einen offiziellen Gewaltbericht für Männer – analog zum Gewaltbericht der Bundesregierung für Frauen – nicht finden. Es gibt ihn schlicht nicht.“
        Warum nicht, das ist doch scheiße. Da kann man doch auch nichts ins Verhältnis setzten. Ich finde ständig nur Daten zu den Tätern. In nem allgemeinen Bericht den ich gefunden hatte stand gar nichts zu Betroffenen, nur zu den Tätern.
        Was soll das denn bitte vermitteln?
        Es ist falsch,wenn du belästigst, aber wenn du belästigst wirst interessiert das keinen, außer du bist ne junge Frau im Hochschulrahmen (was ich momentan bin, deshalb hab ich mich wohl direkt mit der Studie identifiziert)? Grrr. Wo leben wir denn, wenn eigentlich jeder jeden ohne Konsequenz belästigen darf? Selbst wenn irgendwo Studien zu gibt, wird trotzdem gar nichts getan!
        Gabst bei dir irgendeine vertrauenswürdige Stelle, an die du dich hättest wenden können? Ich vermute mal nicht, sowas gibts viel zu wenig… Gerade bei nem Studentenjob sollte es sowas geben.

        „Aber, wie gesagt, die Reaktionen hinterher, als ich es erzählt habe, taten mehr weh.“
        Das tut mir so leid. Blöde Menschen. Wie kann man denn nur? Grr.

  • Haselnuss

    „Hattest du denn danach noch Schwierigkeiten, dass sie dir Steine in den Weg geschmissen hat?“
    Ich wollte das Geschlecht bewusst offen lassen, um gewisse Bilder (notgeiler Chef/cougar on the prowl) zu vermeiden. Das heißt, ich will weder das eine noch das andere Geschlecht bestätigen.

    Ansonsten war es ein Studentenjob, den ich dann nicht mehr gemacht habe. Das tat zwar weh, weil er prestigeträchtig war, aber besser als, naja, die Alternativen.

    Alkohol spielt bei sowas mE immer eine Rolle. Ich denke, da sind viele einfach nur rotzevoll, einsam, verzweifelt, extrem notgeil etc. Was nichts entschuldigt, aber ich stelle mir das Gegenüber lieber als Mensch vor, der sich „verschätzt“, als als Räuber.

  • onyx

    @ Haselnuss,
    Tut mir leid, was dir passiert ist.
    Du sagst, du wärst auf Desinteresse gestoßen von den Leuten, denen du das erzählt hast und vor allem Frauen haben dich nicht ernst genommen. Das ist natürlich scheiße. Hast du dich auch Männern anvertraut und wie waren ihre Reaktionen? Gab es überhaupt irgendeine einzige Person, der du dich anvertrauen konntest und die dir geglaubt hat? Und hattest du nach dem Vorfall noch weiteren persönlichen Kontakt zu deiner Chefin und wie hat sie sich verhalten? Hat sie das vielleicht auch mit anderen gemacht? Sorry für die vielen Fragen.

    • Haselnuss

      „Hast du dich auch Männern anvertraut und wie waren ihre Reaktionen? Gab es überhaupt irgendeine einzige Person, der du dich anvertrauen konntest und die dir geglaubt hat? Und hattest du nach dem Vorfall noch weiteren persönlichen Kontakt zu deiner Chefin und wie hat sie sich verhalten?“
      Zuerst habe ich es in einer Runde von, wie ich damals glaubte, Freunden erzählt. Nachdem das in die Hose ging, habe ich das erst einmal nicht noch einmal versucht.
      Mehrere Jahre später dann meiner Familie, die es gut aufgenommen hat.
      Naja, E-Mails geschickt, die ich ignorierte. Dann hörte es auf. Wenn du jetzt eine heroische Story hören willst, muss ich dich also enttäuschen. Ich entzog mich der Situation.

      „Hat sie das vielleicht auch mit anderen gemacht?“
      Gute Frage. Aber es schien um mich zu gehen. Es ging um gewisse, sehr spezifische Fantasien, die Chef/in mit mir ausleben wollte.
      Was das für Fantasien waren, die mich zum Gegenstand hatten, will ich allerdings nicht erzählen. Nur soviel, mit einem Menschen, dem ich vertraue und den ich mag, würde ich sie verwirklichen – es ist also nichts allzu Perverses.

  • Dummerjan

    Irgendwie ist Dir etwas entgangen. In diesem Lande war es bis 2010 üblich aufgrund von bestimmten Geschlechtsmerkmalen zu besonders gefährlichen und unangenehmen Arbeiten zwangsverpflichtet zu werden.

    Die jährliche 10 Toten bei dieser Art von Tätigkeit wurden durchaus in Kauf genommen. Und das gruppenweise Besichtigen und Überprüfen sekundärer Geschlechtsmerkmal auch durch Personenen anderen Geschlechts war bestandteil dieses Prozesses.

    Und alles unter staatlicher Aufsicht.

    Ich stelle mir vor wie Frauen nackt in Gruppen zur Untersuchtung aufgestellt werden und dann werden die Brüste und die Vulva von männlichen Ärzten auf taktile Auffälligkeiten befühlt. Es sind dabei weitere Männer anwesend die darüber Buch führen.

    Nein, das ist keine pronografische Fantasie eines Irren, sodnern einfahc mal einer Erinnerunng an männliche Realitäten, wo einfach mal das Geschlecht vertauscht wurde.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: