Monatsarchiv: April 2013

Männerhass?

Dem Feminismus wird immer wieder Männerhass vorgeworfen, das ist so alt wie die Bewegung selbst. Und genauso falsch.Daher wird daraufhin auch immer wieder gekontert, Frauen im Allgemeinen und sogar Feministinnen „lieben Männer“. Das ist allerdings auch nicht richtig.

Ob ich jemanden mag oder gar liebe, hängt nicht von seinem Geschlecht ab. Die Männer in meinem Leben mag ich nicht, weil sie Männer sind, sondern weil sie kluge, liebe, lustige Kerle sind. Genauso wie ich die Frauen in meinem Leben mit diesen Attributen genauso mag. Einfach oder?

Wenn nun jemand gemein ist, dumm, unlustig, oder ein Chauvinist, sehe ich keine Veranlassung mich mit diesem Mensch zu umgeben, und schon gar nicht zu sagen, ich würde ihn lieben. Es gibt auch Männer die ich hasse, wenn auch sehr wenige. Diese hasse ich wiederum nicht deswegen weil sie Männer sind, sondern weil sie Scheißmenschen sind. Genauso wie es Frauen gibt, die Scheißmenschen sind.

Dann gibt es noch einige Eigenschaften oder Angewohnheiten, die ich hasse, die fast ausschließlich bei Männern zu finden sind. Klassischer Chauvinismus, eine „Papa erklärt dir die Welt“- Attitüde, herablassende Behandlung durch bestimmte Bemerkungen. Ich hasse, hasse, hasse das, und verbalisiere das auch so. Nun, macht mich DAS zu einer Männerhasserin? Oder würde ich mit den Männern gut klarkommen, sobald sie das lassen würden? Ich glaube letzteres. Es liegt also faszinierenderweise wohl nicht daran, dass er ein Mann ist, sondern weil er sich scheiße verhält.

Ich werde immer stutzig wenn jemand im Brustton der Überzeugung äußert, er liebe Männer/Frauen. Liebst du auch Hitler? Lizzy Borden? Ted Bundy? Ilse Koch? Das sind auch Mitglieder dieses Geschlechts! Nein? Dann lügst du!

Oft werden solche Äußerungen, ein Geschlecht in seiner Gänze zu lieben, von ausgesprochen sexistischen Menschen getätigt. Damit ist dann nicht gemeint, dass sie ein Individuum dieses Geschlechts akzeptiert und gemocht wird, sondern es wird die Tatsache gepriesen, dass einige Vertreter dieser Gruppen gut in Röcken oder engen Jeans aussehen. Gerne werden aber auch solche Äußerungen mit bestimmten klischeehaften Vorstellungen verbunden, wie „Männer sind soooo stark“ oder „Frauen sind sooo anmutig“  Das wird auch gerne gemacht, um sich vom Vorwurf des Sexismus, der Verachtung des jeweils anderen Geschlechts freizusprechen. Klappt nur irgendwie nicht gut.

Zusammenfassend möchte ich darauf aufmerksam machen, dass Äußerungen wie „Ich liebe Gruppe XY“ mit Vorsicht zu genießen sind, und mich gleichzeitig von solchen Äußerungen distanzieren.

Ich hasse Männer nicht. Lieben tu ich sie aber auch nicht.

 

 

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Götze wechselt zum FC Bayern

Warum? Warum nur??? Warum?????????

Ich bin wirklich, wirklich traurig. Und enttäuscht. Von Götze und von der ganzen Bundesliga. Der muss doch wissen, dass er bei Bayern nur ist, damit er nicht bei Dortmund ist.

Wie damals erstmals bei Andi Möller, wird mir wieder klar, dass Fußball, speziell Bundesligafußball, nicht Herzenssache ist, sondern es nur ums Geld geht. Das hatte ich vergessen.

Mein Herz ist gebrochen. Wieder.


Nacktaktionistinnen

Lasst uns doch mal über Femen reden.

Die sind mir zwar vorher natürlich auch schon bekannt gewesen, aber nachdem ich Dienstag bei der Maischberger Klara Martens von Femen gesehen habe, hab ich irgendwie ein erhöhtes Bedürfnis, über sie zu sprechen.

Zuerst sagte sie, auf Nachfrage warum Femen nackt auftrete: „Warum muss man angezogen sein?“ Der Mann könne das ja auch, etc… Da verlor sie mich erstmals.
Hier wäre eine wunderbare Möglichkeit gewesen, darzustellen, inwiefern nackter Protest ein Zeichen gegen Staatsgewalt setzen kann, der einzelne, nackte wehrlose Mensch gegen die Übermacht des bewaffneten Staates. Leider, leider, Chance vertan. Sie sagte noch, dass durch die Nacktheit Medienaufmerksamkeit erzeugt werden solle, dass sei aber was ganz anderes, weil sie würden ja als Frauen ihre Körper für ihre eigenen Zwecke benutzen.  „Zwecke“ ist ein dehnbarer Begriff. Auch das Geldverdienen mit Nacktheit kann dem Zweck derjenigen Frau dienen.

Klara stellt dann auch die steile These auf, daher, weil Frauen nun „erstmalig“ selbstbestimmt ihre Körper benutzten, sei es auf einmal schockierend und ginge um die Welt. Falsch. Es geht um „die Welt“, weil Möpse zu sehen sind, die nun auch in seriöseren Postillen abgedruckt werden können, weil sie „politisch“ sind. Möpse ohne den frauenverachtenden Ruch des Seite-1 Mädels? Awesome!! Endlich Möpse gucken ohne bildungsbürgerliches schlechtes Gewissen! Also bitte….

Das bringt Fr. Maischberger dann zu der Bemerkung, dass Putin ja nach dem Messevorfall gesagt hätte, es hätte ihm gefallen und er ja auch, wie in dem verlinkten Artikel sichtbar, eher amüsiert gewesen sei. Klaras Antwort darauf: Natürlich wolle er Femen diffamieren, er könne ja auch nicht eingestehen, dass seine Sicherheitskräfte versagt hätten.

Ohne Scheiß Klara: Wenn ein Putin dreckig grinst und auf eure Möpse starrt, und hinterher nen anzüglichen Spruch reißt, dann meint der das so! Dann fühlt der sich nicht irgendwie von euch ganz dolle verunsichert, kann das aber nicht so richtig zugeben. Dann gefielen ihm eure Titten. Wieso sollte er sich auch von euch bedroht fühlen? Ihr seid ja schließlich nicht die RAF. Die hatten keine Brüste und Blumenkränze, die hatten Waffen. Selbst ich, die ich eigentlich prinzipiell bei euch bin, möchte angesichts der nackten, kreischenden Mädels lieber ne schöne Tasse Tee kochen, damit alle mal runterkommen. Und dann Wolldecken verteilen. Das führt mich natürlich zu der Frage: Was soll das alles?

Wenn ich mir die Aktionen von Femen so angucke, fallen sie vor allem durch eines auf: Wahllosigkeit. Da wird nackich vor Moscheen demonstriert und nackich in der Herbertstraße, eine Straße, die weiß Gott an Nackichkeit gewöhnt ist. Die Nacktheit wird also nicht als Symbol verwendet, sie ist einfach nur ein Mittel, Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das zeigen auch Aktionen wie die von Femen Frankreich in Notre Dame, wo auf genau dieselbe Art protestiert wird, wo der Rücktritt des greisen, kranken Papstes als „Glaubenskrise“ gefeiert wird, mit Aufschriften wie „Pope Game over“. Soso.  Oder warum zum Geier protestiert Femen auf der Berlinale gegen weibliche Beschneidung? Es macht keinen Sinn! Besonders wenn, wie ich auf einem Bild gesehen habe, das sinnstiftende „female genitale mutilation“ zu einem erstmal unverständlichen FMG abgekürzt ist. Auf den Armen…

Niemand spricht mehr über diese Themen als vorher, es gab keinen Auslöser auch kein Ziel oder eine Message die über „Sowas ist doof doof doof, macht mal was!“ hinausginge.  Auch die Orte sind denkbar schlecht gewählt, zum Beispiel das Absäbeln eines Gedenkkreuzes für die Opfer des Stalinismus oder das Protestieren gegen Vollverschleierung vor dem Gotteshaus einer verfolgten muslimischen Minderheit, die durch Toleranz und Modernität auffällt ist… unklug. Ebenso das nackte Protestieren in der Herbertstraße gegen Prostitution. (srsly, wtf?)

Es ist blinder Aktionismus, die Aktionen sind schlecht geplant und verfolgen kein höheres Ziel, als würde die Hauptfrau irgendwas lesen, ganz furchtbar wütend werden und sofort ihre Soldatinnen mit gezückten Blumenkränzen irgendwo hinschicken wo man Medien erwarten kann. Doof. Richtig doof!

Was mich weiter zu organisationstechnischen Fragen führt: Dürfen bei Femen auch Frauen über 30 mitmachen? Oder häßliche Frauen? Dicke Frauen? Frauen die mal Männer waren? Ich seh irgendwie immer nur knapp der Pubertät entwachsene, der Industrienorm entsprechende Mädels. Dass BILD und Konsorten diese blutjungen „Nacktaktivistinnen“ großartig finden, ist keine Frage. Würde mir aber mal zu denken geben. Oder wird hier der „male gaze“ in vollem Bewusstsein benutzt, während gleichzeitig gegen ihn protestiert wird? Ist das Ironie? Avantgarde? Ich bin vielleicht auch einfach nicht schlau genug, aber sooo dermaßen hintersinnig kommt mir das nicht vor. Statt für Bier wird halt für diverse Frauenrechte geworben. „Titten sind geil, Genitalverstümmelung scheiße! (nana-na-nana…)

Wenn die sexistischen Medien, die man beklagt, begeistert Fotostrecken der Proteste drucken und keine andere Bezeichnung als „Nacktaktivistinnen“ oder sonstiges, wo man sich einen selbstgefällig grinsenden Redakteur vorstellt, finden, muss man mal überlegen, ob das so richtig ist, was man macht. Wenn nun gar der Hauptgegner mit Genießerblick die „Ware“, die ihr ihm netterweise auf dem Silbertablett präsentiert, mustert und sich im Anschluß anerkennend äußert, muss man seine Strategie überdenken.

Patriarchal eingestellte Männer mit einem Machtfetisch fühlen sich nun mal nicht sonderlich schockiert oder bedroht, wenn hysterisch kreischende (na ist doch wahr!) bildhübsche Mädels mit entblößten Möpsen und Blumenkränzen im Haar auf sie zuhüpfen.Das ist eine Sexfantasie, kein politischer Protest.

Für sie wäre es viel schockierender, wenn Fakten, mit harten unwiderlegbaren Beweisen präsentiert würden, von gut informierten Frauen aller Altersklassen, die sich gegen ihn verbünden um eine Macht zu bilden. Die versuchen Einfluß zu erlangen.Die Worte als ihre Waffe sehen würden, nicht ihre Brüste.

Der Aktivismus von Femen hat ein Verfallsdatum, schon alleine weil die Aktivistinnen nicht ewig jung und knackig bleiben. Femen machen die Art von Protest, die netterweise selbst der misogynste Wichser, vorausgesetzt er ist Hetero, irgendwie gut finden kann. Und dann vergessen. Und weitermachen wie bisher.