Kommt alle, die ihr mühselig und beladen seid…

Ab und an les ich ja doch noch mal die Mädchenmannschaft, da ist mir dieser Artikel  in der Blogschau aufgefallen.

Dort erzählen 4 FeministInnen von ihren Erfahrungen mit Psychiatrie. Ich meine, es reicht ja nicht, dass einem immer wieder unterstellt wird, sobald man sich von seinen psychischen Problemchen distanzieren würde, täte man das mit dem Feminismus auch nicht mehr so streng sehen. Und wie man sich selber mit Feminismus das Leben schwer machen würde. Und man solle doch die Dinge einfach mal lockerer sehen.

Nein, da müssen auch noch diverse, in der Öffentlichkeit des Internetzes stehende FeministInnen ihre Krankheitsgeschichten explizit mit dem Feminismus verknüpfen, und damit allen rechtgeben, die in diesem nur ein Selbsthilfegrüppchen angeknackster instabiler Frauen sehen, die mit ihrem Leben nicht zurechtkommen und dafür einen Verantwortlichen suchen.

Aber sehen wir uns die Artikel einmal an:

Im ersten Artikel geht es um eine Frau, die folgendes schreibt

„Gegen Ende meiner Schul- und zu Beginn meiner Studienzeit hatte ich für mehrere Jahre mit Depressionen und manischen Zuständen mit Wutausbrüchen zu kämpfen. Besonders litt ich aber unter etwas, das als Dysmorphobie bezeichnet wird – eine Körperwahrnehmungsstörung, bei der die Betroffenen die Realität verzerrt sehen und der festen Überzeugung sind, unattraktiv oder entstellt zu sein.“

Die Depression konnte sie mit Medikamenten behandeln, die Dysmorphophobie nicht. Dagegen hat nur die Beschäftigung mit dem Feminismus, speziell Lookismus geholfen. Zitat: „Mir ist mittlerweile bewusst, dass diese Dysmorphobie nicht nur mein privates, individuelles Problem darstellt, sondern ein gesellschaftliches ist.“

Es ist eine Sache zu sagen, dass die Schönheitsideale der Medien übertrieben und unrealistisch sind. Aber diese in einer Weise auf sich zu beziehen, dass man der Meinung ist, als normal aussehender Mensch häßlich, widerlich und in keinster Weise liebenswert zu sein, das ist ein privates individuelles Problem. Eine Dysmorphophobie ist nicht durch die Erkenntnis, dass die Models alle gephotoshopped sind aus der Welt zu bringen. Ebenso wie man eine Depression nicht dadurch heilen kann, dass man einfach nicht so´n langes Gesicht zieht.

Der zweite Artikel befasst sich mit einer/m Borderline-Diagnostizierten, die sich positiv über ihre Klinikerfahrung äußert.

Allerdings relativiert sie/er dann noch: „Meine Diagnose Borderline betrachte ich aus heutiger Perspektive allerdings kritischer. Ich glaube, viele meiner damaligen Probleme sind daraus entstanden, dass ich mit meinem Verhalten nicht der Norm entsprochen habe. Immer hatte ich das Gefühl, selbst das Problem zu sein, selbst falsch zu sein. Heute sehe ich, dass viele Dinge davon strukturell begründet sind. Ich sehe nun, dass meine Wut und das Gefühl der Ohnmacht, nicht wahrgenommen zu werden, auch aus Hierarchien und Dynamiken innerhalb unserer Gesellschaft entstanden sind.“

Also: Nicht ich bin krank, die Welt ist krank. Komplett. Das ist schonmal eine gesunde Sichtweise auf die Dinge. Meine Probleme liegen nicht in meiner Krankheit begründet, sondern dass alle so gemein sind. (Bitte einmal Nr. 5 und Nr. 9 ansehen)   Und dass ich so unbequem bin. Bitte für später merken, da werd ich noch drauf eingehen.

Im dritten Bericht wird die Diagnose nicht genannt, sie sei aber mit 18 in die Psychiatrie gekommen und hätte direkt alles an Medikamenten bekommen, die so auf dem Markt verfügbar gewesen seien, seien es Antidepressiva oder Neuroleptika O.O Die Diagnose hätte sie nicht verstanden. Aber im Anschluß ihr Studium geschmissen . Doof gelaufen. Auf Feminismus wird nicht eingegangen.

Es ist aber der 4. Artikel, der mich von den Socken gehauen hat. Da schreibt das Steinmädchen: „Als ich vor einigen Jahren das erste Mal in die Psychiatrie ging, war ich verzweifelt. Mir ging es sehr schlecht, ich kämpfte jeden Tag. In der Klinik gab es dann eine „störungsspezifische“ Borderline-Therapie. Borderline. Ein Name für meine krassen Gefühle.“

Krasse Gefühle. Soso. Aber weiter.

„In der Klinik lernte ich vor allem, mich nicht zu verletzen. Mit ein bisschen Anerkennung, dass ich das wohl nicht ohne Grund mache. Heute macht mich das wütend. Warum den Fokus darauf setzen, mit etwas aufzuhören, was ich doch so dringend brauchte? Warum als sozialisierte Frau noch lernen, nett und freundlich zu sein?!“

Warum du aufhören sollst dir die Haut aufzuritzen und andere Wege findest mit negativen Gefühlen umzugehen? Warum du lernen sollst mit deiner Wut klarzukommen und sie in produktive Bahnen zu leiten? Hm, ich weiß nicht, damit du eventuell MIT DEINEM Leben klarkommst? Tut mir leid, das hat mich unheimlich wütend gemacht. Da gibt es Menschen, die unheimlich unter sowas leiden, die verzweifelt nach Wegem suchen, ihr Leben zu meistern und glücklicher zu werden (ich kenn da den ein oder anderen), und sie hier suhlt sich darin, so anders zu sein, so speziell, nicht wie die dumpfe Masse, sie hat ja Gefühle, sie schneidet sich die Haut auf, jawollja. Hrrrrrrrrrmpffffff. Wie nennt man sowas nochmal? Sekundären Krankheitsgewinn?

„Ich hätte stattdessen dringend lernen sollen, diese Regeln nicht brav-christlich-bürgerlich-trotz-allem einzuhalten. Ich disziplinierte mich selbst durch Arbeitsblätter, Übungen und Verhaltensanalysen. Nie waren Strukturen verantwortlich. Nie Gewaltorte wie Schule oder gar das Patriarchat. Ich lernte, mich als Problem zu sehen. So übersteht es sich am einfachsten in der Psychiatrie.“

Da haben wir wieder das pathologisch anmutende „Ich KANN ja gar nicht das Problem sein, weswegen mein Leben kacke ist, es ist bestimmt was anderes!“ aus dem 2. Artikel. Und das „Ich bin doch aber nicht krank! Die Gesellschaft ist krank!“

Für eine Bewegung die sich unter anderem auch gegen Ableismus ausspricht ist das ganz schön kacke, wenn eine Diagnose, die einen von gesunden Mitmenschen unterscheidet so abgestritten und verleugnet wird. Eine Krankheit ist nicht das Ende der Welt.

„Später spürte ich die Gewalt dieser Strukturen. Therapieabbruch? Ein Symptom. Geschlechterrollen aufbrechen? Identitätsschwankungen. Wut? Typisch Borderline. Ein „Nein, ich will das nicht!“ wurde zum Zeichen der Verweigerung. Ich lasse mir nicht helfen. Da dreht sich heute noch der Feministin in mir der Magen um.“

Ich würd das auch so sehen, als Laie. Mag sich vielleicht jemand vom Fach dazu äußern? Interessanter wäre natürlich, WARUM sie die Therapie abbrechen wollte? Warum wollen Magersüchtige nicht in die Klinik, wo sie zur regelmäßigen Nahrungsaufnahme gezwungen werden? Warum Alkoholiker nicht in die Klinik, wo sie nicht mehr saufen dürfen. Warum Borderliner nicht in die Klinik, wo ihnen gesagt wird, dass ihre Feindbilder, Wutausbrüche und ihre schicke Ritzerei bedingt durch ihre so außergewöhnlichen Gefühle pathologisch sind, dass man da was gegen machen kann und sollte. Da würden sie ja ihr Alleinstellungsmerkmal verlieren!

„Die Psychiatriezeiten halfen dennoch. Ich brauchte Raum zum Reden – ich fand tolle Mitpatientinnen. Ich brauchte eine Auszeit – ich schlief ein paar Nächte nicht zu Hause. Reden über Erfahrungen von (struktureller) Gewalt. Eine Pause machen können. Das ist nicht viel, doch es gibt kaum Alternativen. Aber Psychiatrie ist nicht feministisch. Und deswegen war der Preis – Entmündigung, Grenzverletzung und Disziplinierung – verdammt hoch.“

Nun ja. Was erwartet man von jemanden, der nicht behandelt werden will.

Es ist so fürchterlich. Es gibt reale strukturelle Benachteiligungen von Frauen, bedingt durch Rollenzuweisungen etc. pp., da müssen wir ja nicht drüber reden. Aber es ist unfassbar kontraproduktiv, wenn die Menschen, die gegen diese eintreten, ihre persönlichen Probleme verallgemeinern, ihre psychische Krankheit als Symptom einer repressiven Gesellschaft darstellen wollen.

Der Feminismus verkommt mehr und mehr zur Selbsthilfegruppe von lebensuntüchtigen Menschen, was wiederum denen in die Hand spielt, die vor 150 Jahren die Forderung nach Wahlrecht mit einer wandernden Gebärmutter in Verbindung setzen wollten. Und was Menschen, die tatsächlich robust genug und wenig Ich-bezogen genug wären, die Forderungen des Feminismus offiziell durchzusetzen, ein allgemeines Sprachrohr zu sein, abschreckt.

Daher meine Bitte: Liebe Mitfeministinnen, lasst doch eure psychischen Schwierigkeiten da wo sie hingehören: Im Privaten.

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18 responses to “Kommt alle, die ihr mühselig und beladen seid…

  • Robin Urban

    War wohl doch besser, dass ich da nicht reingelesen habe, obwohl es mich gejuckt hat.

    Gerade als Depressive kann ich sowas einfach nicht verstehen. Natürlich hat mich das Rollenbild, das in meiner Familie herrschte, nicht gerade aufgebaut. Und sicher gibt es Psychologen, die selbst einen Schuss weg haben und genau das Falsche tun. Hab ich selbst ein paar kennen gelernt. Doch eine Struktur dahinter zu vermuten, ein generelles s“Hauptsache du benimmst dich wie eine brave, unterwürfige Frau, deine Probleme interessieren keinen“ ist schon… ja, bekloppt.

    Gerade SVV wird von manchen (nicht allen!) als eine Art alternative , irgendwie ja romantische (Blut, Lebenssaft. Cool.) Lebensart propagiert. Ich habe im Laufe meiner Krankheitsgeschichte viele Menschen kennen gelernt, die so dachten, und das waren alles keine Feministinnen.
    Doch sorry: Sich die Haut aufzuschneiden ist nicht normal. Sage ich als ehemalige Betroffene. Und an diesem Urteil ist nicht das Patriarchat schuld.

    Es gibt einige Dinge, die im psychiatrischen Gesundheitswesen nicht richtig laufen. Die aufgezählten Schrecklichkeiten gehören nicht dazu.

    • marenleinchen

      Ich hab auch ganz viele Menschen kennengelernt, die sich demonstrativ die Haut da aufschneiden wo mans sieht („Wenns mir schlecht geht will ich schon dass die Welt es erfährt“). Und ich kenn auch eine, die sich nur die Oberarme geritzt hat und nun, wos ihr besser geht, sich ärgert, dass die tiefen Narben in Tshirts doof aussehen, dass sie immer wieder darauf angesprochen wird. So isset.

      *Es gibt einige Dinge, die im psychiatrischen Gesundheitswesen nicht richtig laufen. Die aufgezählten Schrecklichkeiten gehören nicht dazu.*

      Zumindest beim letzten Beispiel kann ich mich des Gefühls nicht erwehren, dass das Problem war, dass ihre Besonderheit nicht genügend anerkannt wurde.

  • Marishiki

    »Also: Nicht ich bin krank, die Welt ist krank. Komplett.«
    stimmt doch gar nicht. das ist nicht, was sie gesagt hat. »Heute sehe ich, dass viele Dinge davon strukturell begründet sind.« nicht alles. aber vieles. und was soll daran deiner meinung nach besser wenn eins glaubt »selbst das Problem zu sein, selbst falsch zu sein«?
    „dinge sind strukturell schlecht und wie ich damit umgehe stellt ein problem für mich dar, dass ich nicht alleine bei mir suchen kann“ ist mmn ein gesünderer mittelweg als „alle anderen sind scheiße“ und „ich bin scheiße“. aber diesen mittelweg siehst du ja gar nicht und verdrehst alles zum „alle anderen sind scheiße“, große klasse.

    »Für eine Bewegung die sich unter anderem auch gegen Ableismus ausspricht …«
    oh, und dass du es entsetzlich findest, dass andere denken könnten, beim feminismus seien auch psychisch kranke frauen dabei und das ganze sei ein selbsthilfegrüppchen, DAS ist natürlich gar nicht ableistisch, nein.

    »Geschlechterrollen aufbrechen? Identitätsschwankungen. Wut? Typisch Borderline.«
    und alles was du dazu sagst ist »Ich würd das auch so sehen, als Laie« – srsly? geschlechterrollen aufbrechen = krank? wut = krank? ich weiß ja nicht, wie das in deinem feminismus gesehen wird, aber in meinem ist das nicht krank, sondern verständlich.

    »Aber es ist unfassbar kontraproduktiv, wenn die Menschen, die gegen diese eintreten, ihre persönlichen Probleme verallgemeinern, ihre psychische Krankheit als Symptom einer repressiven Gesellschaft darstellen wollen.«
    und es kann ja gar nicht, überhaupt nicht, auf gar keinen fall sein, dass menschen auf diese art und weise auf die repressive gesellschaft reagieren, nämlich in dem sie krank werden und/oder mit ihrem leben nicht klar kommen. nein, dass menschen auf reale probleme mit inneren problemen reagieren, davon hat eins ja noch nie gehört, niemals.

    »Der Feminismus verkommt mehr und mehr zur Selbsthilfegruppe von lebensuntüchtigen Menschen, was wiederum denen in die Hand spielt, die vor 150 Jahren die Forderung nach Wahlrecht mit einer wandernden Gebärmutter in Verbindung setzen wollten. Und was Menschen, die tatsächlich robust genug und wenig Ich-bezogen genug wären, die Forderungen des Feminismus offiziell durchzusetzen, ein allgemeines Sprachrohr zu sein, abschreckt.
    Daher meine Bitte: Liebe Mitfeministinnen, lasst doch eure psychischen Schwierigkeiten da wo sie hingehören: Im Privaten.«
    tuut-tuut! das war meine ableismus-hupe, weil du schon wieder ziemlich ableistischen mist schreibst. ich paraphrasiere mal: „liebe menschen die krank sind, bitte haltet doch lieber die klappe, eure krankheiten sind schlecht für unser image.“
    dass du dich so darum sorgst, wie bspw. die, »die vor 150 Jahren die Forderung nach Wahlrecht mit einer wandernden Gebärmutter in Verbindung setzen wollten« über eine emanzipatorische bewegung denken, ja, das macht dich wertvoll für jede emanzipatorische bewegung. glaubst du allen ernstes, dass leute, die feminismus scheiße finden, die klappe halten und anerkennend nicken, wenn eins ihnen keine angriffsfläche bietet? äh, nein, die finden immer irgendeinen mist der ihnen nicht passt und ob das jetzt psychisch kranke feministinnen sind oder feministinnen, die sich nicht die beine rasieren, das ist völlig egal.
    und leute, die „robust“ sind, aber mit nicht ebenso robusten menschen nicht in einer gruppe sein wollen, die können auch wegbleiben.

    und du auch. ich hab lange nicht so einen schlechten, boshaften blogpost gelesen.

    • marenleinchen

      *»Heute sehe ich, dass viele Dinge davon strukturell begründet sind.« nicht alles. aber vieles. und was soll daran deiner meinung nach besser wenn eins glaubt »selbst das Problem zu sein, selbst falsch zu sein«?*

      Es ist eine Krankheit. Borderline ist eine Krankheit, die behandelbar ist. Die ein Teil von dir ist, aber nicht das ganze DU.

      *oh, und dass du es entsetzlich findest, dass andere denken könnten, beim feminismus seien auch psychisch kranke frauen dabei und das ganze sei ein selbsthilfegrüppchen, DAS ist natürlich gar nicht ableistisch, nein.*

      Es geht nicht um AUCH. Es geht um NUR. Zudem, wenn man die Diagnose „kritisch betrachtet“ (was ja gut ist) aber dann zu dem Schluß kommt sie von sich zu weisen, weil die Strukturen sind ja scheiße, man kann ja nicht krank sein, nein, dann ist das ableistisch. Psychisch krank sind ja nur die armen Irren in der Zwangsjacke.

      *srsly? geschlechterrollen aufbrechen = krank? wut = krank? ich weiß ja nicht, wie das in deinem feminismus gesehen wird, aber in meinem ist das nicht krank, sondern verständlich.*

      Ich hab ein Problem mit dem netzfeministischen Verständnis, dass Wut immer und überall angebracht und gut ist.
      Wut kann einen lähmen, sie lässt einen um sich selbst kreisen, sie ist nicht produktiv. Man kann Wut produktiv nutzen, aber in den meisten Fällen ist es doch nur ein permanentes egozentrisches Gekränktsein. Man muss sich immer fragen: Wie würde ich reagieren wenn ich NICHT selbst betroffen wäre? Wenn ich z.B. zufällig schlank wäre.

      *ich paraphrasiere mal: “liebe menschen die krank sind, bitte haltet doch lieber die klappe, eure krankheiten sind schlecht für unser image.”*

      Es ist ein Unterschied, offen mit einer Krankheit umzugehen oder diese Krankheit für bestimmte Zwecke instrumentalisieren zu wollen. Ginge es um Rechte psychisch Kranker wäre das sinnvoll. Aber es geht um Feminismus und da ist ein Großteil der Frauen NICHT psychisch krank. Also hat es dort, ganz sachlich betrachtet, nichts verloren.

      *dass du dich so darum sorgst, wie bspw. die, »die vor 150 Jahren die Forderung nach Wahlrecht mit einer wandernden Gebärmutter in Verbindung setzen wollten« über eine emanzipatorische bewegung denken, ja, das macht dich wertvoll für jede emanzipatorische bewegung. glaubst du allen ernstes, dass leute, die feminismus scheiße finden, die klappe halten und anerkennend nicken, wenn eins ihnen keine angriffsfläche bietet?*

      Nein, ich WEISS dass sie´s nicht tun.

      „und leute, die “robust” sind, aber mit nicht ebenso robusten menschen nicht in einer gruppe sein wollen, die können auch wegbleiben.“

      Was für eine Gruppe? Ich dachte immer es geht bei Feminismus um Politik?

      „und du auch. ich hab lange nicht so einen schlechten, boshaften blogpost gelesen.“

      OK, ich nehme zur Kenntnis, dass du mir auf alle Zeit den Feminismus verbietest. Cheerio

  • wolle pelz

    Borderline ist zu Komplex als das man die Krankheit so allgemein abhaken sollte. Ich habe Borderline als ganz fiese Krankheit erlebt, die dem Betroffenen keinen klaren Blick auf die Realität lässt. Die Wahrnehmung der Realität ist – in vielen Fällen – extrem getrübt, gar verschoben.

    …und das mit dem Feminismus… …solange er gesund ist, ist ja alle okay. …aber Benachteiligung findet bei BEIDEN Geschlechtern statt. Viele Feministinnen sehen allerdings borderlineartig die Realität nicht mehr so wirklich…

    • marenleinchen

      *Die Wahrnehmung der Realität ist – in vielen Fällen – extrem getrübt, gar verschoben.*

      Ja, genau wie bei den Leuten die die feministische Zersetzung der Wiki befürchten…. Wie war das doch gleich mit dem Glashaus und den Steinen?

  • wolle pelz

    Das ist mir zu aggressiv und zu platt.

  • wolle pelz

    Mal ganz so nebenbei:
    Ich war mit einer Borderliner-Betroffenen zusammen. Sie war die Mutter meines Sohnes. Ich schreibe „war“, weil sie verstorben ist.

    Aber ich habe heute gelernt, dass man am besten auf Seiten von Frauen, die dem feministischen Umfeld angehören, die Klappe hält.

    Manchmal wäre eine gewisse Sensibilität vielleicht angebracht, wenn es um psychische Erkrankungen geht. Das war ein ganz ekliger Auftritt.

  • erzaehlmirnix

    Danke für den Link zu deinem Text 🙂 Meine Meinung? Hmmm, schwer zu sagen, da ich hier eher als Privatperson ohne wissenschaftlichen Forschungshintergrund dazu spreche. Ich lese schon seit einiger Zeit die Texte von (Extrem)feministinnen und habe mittlerweile für mich die -vermutlich auf Empörung stoßende- Theorie, dass der Feminismus eine Art der Krankheitsbewältigung ist. Leider eine dysfunktionale, in der Analyse würde man wohl Rationalisierung sagen.
    Viele Strukturen (z.b. die ständigen „sicheren Räume“, die aufgebaut werden) erinnern an Vermeidungsverhalten von PTBS. Ich vermute, die meisten Radikalfeministinnen haben das ein oder andere Trauma im Hintergrund und die Depressionen, Borderline und Essstörungen sind eher sekundär-komorbide Erkrankungen davon.
    Ich habe, ähnlich wie du im Text schreibst, das Gefühl, dass eigene Probleme nach aussen verlagert werden (nicht ich bin krank, es ist das Patriarchat, und die die nicht krank sind, sind eben Teil des Systems)… die eigene Krankheit wird damit umgedeutet als Zeichen von Überlegenheit oder Notwendigkeit, denn wer erstmal „aufgewacht ist“ und sieht, dass das Patriarchat da ist, KANN ja gar nicht mehr zufrieden sein. Genau deshalb auch dysfunktional, denn es bedeutet, dass sich die eigenen Probleme gar nicht bessern können oder dürfen.

    Ich wollte dazu schon länger mal was schreiben, aber mir wars den Aufwand einfach nicht wert… daher danke für deinen Text. 🙂

  • Haselnuss

    Das Wichtige, Maren, hast du erwischt und kommentiert. Einige kleinere Anmerkungen:
    „Ich glaube, viele meiner damaligen Probleme sind daraus entstanden, dass ich mit meinem Verhalten nicht der Norm entsprochen habe.“
    Wenn ich jedem, dem ich begegne, ein Messer in die Brust ramme, entspricht das auch nicht den Verhaltensnormen.

    „Immer noch gutgläubig und trotz massiver Nebenwirkungen schluckte ich alles, nahm einige Kilo zu, schlief den ganzen Tag und schmiss mein Studium. “
    Scheint nach Wichtigkeit geordnet: Zugenommen!!! Schlafen!! Studium geschmissen!

    „Nie Gewaltorte wie Schule oder gar das Patriarchat.“
    Ah ja… Das Patriarchat umgibt uns, durchdringt uns, es hält die Galaxis zusammen.

    Im Artikel ist eigentlich jeder Satz reich an Anknüpfungspunkten. Bei diesem hier: „Als ich vor einigen Jahren das erste Mal in die Psychiatrie ging, war ich verzweifelt.“, drängt sich doch die Frage auf: Wie oft war sie noch in der Psychiatrie und warum? Akkute Suizidgefahr wegen Patriarchat und so? Selbsteinweisung? Letzteres ist eher unwahrscheinlich bei fehlendem Problembewusstsein.

    • marenleinchen

      *Selbsteinweisung? Letzteres ist eher unwahrscheinlich bei fehlendem Problembewusstsein.*

      Naaaaa, das würd ich jetzt auch nicht ganz von der Hand weisen. Nach den weiteren Aussagen dachte sie in der Psychiatrie redet jemand mit ihr, bestärkt sie in ihrer Besonderheit und bedauert ihr schlimmes Leben. Was sie sicherlich nicht bedacht hat, ist dass das Personal an viel schlimmere Fälle als sie gewöhnt ist. 🙂

      • Haselnuss

        „Naaaaa, das würd ich jetzt auch nicht ganz von der Hand weisen. Nach den weiteren Aussagen dachte sie in der Psychiatrie redet jemand mit ihr, bestärkt sie in ihrer Besonderheit und bedauert ihr schlimmes Leben. Was sie sicherlich nicht bedacht hat, ist dass das Personal an viel schlimmere Fälle als sie gewöhnt ist.“
        Über die Passage bin ich auch gestolpert. In dieser beschreibt sie sehr deutlich ihren Krankheitsgewinn in der Psychiatrie: Endlich kann ich mal über mich und meine Probleme reden! Trotzdem… Psychiatrie ist kein Zuckerschlecken – wie sie ja selbst sagt.

        Aber, du hast Recht, ohne weitere Informationen unentscheidbar.

        off-topic:
        Was macht das Abi?

      • marenleinchen

        Warte noch auf Ergebnisse. Mündliche in Bio war nur 3+. Fucking Ökosystem See…

  • maskunismus

    Sehr intressanter Artikel.

    „Es ist eine Sache zu sagen, dass die Schönheitsideale der Medien übertrieben und unrealistisch sind. Aber diese in einer Weise auf sich zu beziehen, dass man der Meinung ist, als normal aussehender Mensch häßlich, widerlich und in keinster Weise liebenswert zu sein, das ist ein privates individuelles Problem. “

    Das sehe ich aber wirklich als gesellschaftlich oder strukturelles Problem an. Es gibt immer mehr Vergleichmöglichkeiten wie Facebook und falsche Vorbilder, es gibt keine wirklichen Vertrauenspersonen mehr. Sehen die Mütter immer schön zurecht gemacht aus dem Haus gehen und vergleichen sich da schon vielleicht. Nagut, der letzte Satz sit riene Spekulation…

    Aber zum Artikel, schade das er nut die Oberfläche ankratzt. Person 1 + 3 haben einen sehr ähnlichen Lebenslauf. Aber gerade Person 3 ist sehr intressant zu betrachten, sie ist 18 Jahre alt, kein Wartesemester. Ich würde spekulieren das sie einen Superabschluss durchgezogen hat und erfolgsverwöhnt ist., so eine die alles auf die Reihe kriegt.

    Dann gehts weit weg ins Studium, knüpft keine Kontakte, redet tagelang oder gar wochenlang mit niemanden. Hat das erste Mal ein richtig dickes Problem und traut sich nicht das jemand mitzuteilen, weil sie dann nicht mehr Misses Perfect ist. Sie konnte die innere Erwartungshaltung nicht mit der äußeren in EInklang bringen, ähnlich wie Person 1 , und ist über ihren eigenen Stolz gestolpert.

    :“Einer wies mich – nach unzähligen diagnostischen Tests, die meine Depression bestätigten – einfach ab, ein anderer meinte zu meinem selbstschädigenden Verhalten: „Hören Sie eben auf damit!““

    Und in einem späteren Gespräch wird die innere Erwartungshaltung von außen gedeutet….

    • marenleinchen

      *Das sehe ich aber wirklich als gesellschaftlich oder strukturelles Problem an. Es gibt immer mehr Vergleichmöglichkeiten wie Facebook und falsche Vorbilder, es gibt keine wirklichen Vertrauenspersonen mehr. Sehen die Mütter immer schön zurecht gemacht aus dem Haus gehen und vergleichen sich da schon vielleicht. Nagut, der letzte Satz sit riene Spekulation…*

      Jein. „Richtige Menschen“ wie Facebookleute sehe ich da weniger kritisch als tatsächlich irgendwelche Promis oder Models, die sich auf jedem öffentlichen Foto bis zur Unkenntlichkeit photoshoppen lassen. Weil es eben nicht erreichbar ist, aber durch die Omnipräsenz als in gewisser Weise normal wahrgenommen wird. Wie gesagt, ich erzähl dazu immer wieder gerne die Geschichte, wie ich mit 14 der festen Überzeugung war Hängebrüste zu haben, weil ich aus den Medien nur gepushte Brüste kannte. Die Vergleichsmöglichkeiten sind nicht das Problem, dass es im Prinzip nur EINE Vergleichsmöglichkeit gibt, nämlich das makellose Geschöpf.

  • Christian - Alles Evolution

    die Ideen “andere sind privilegiert und damit schuld daran, dass es nur schlechter geht“ und “nicht das Opfer muss sich ändern, sondern die privilegierten dafür sorgen, dass es keine Opfer mehr gibt“ ergänzen sich eben auch in der Erklärung privater Zustände sehr gut

  • Asphyxia

    Guter Artikel! Beschreibt einer der Gründe, warum ich mich nicht mit dem real existierenden Feminismus identifizieren kann – auch wenn ich an sich gegen Geschlechtsrollenvorgaben und für Gleichberechtigung beider Geschlechter bin. Man sollte weder Frauen noch Männer aufgrund ihres Geschlechts benachteiligen, noch in bestimmte Rollen zwingen. Aber bei der von dir erwähnten Seite habe ich leider das Gefühl, dass sich Feministen und Maskulisten beide gegenseitig nichts nehmen.

  • Freudin

    Krasser Artikel. Darf ich das so zusammenfassen: „Die Verrückten sollen doch bitteschön die Klappe halten, wenn die normalen und lebenstüchtigen Feministinnen sich unterhalten. Sonst diskreditieren sie noch die ganze Sache.“ Dass ‚Wahnsinn‘ genauso zu unserer Gesellschaft gehört wie ‚Normalität‘ und die eine Seite der Medaillie ohne die andere keinen Sinn macht, entgeht dir leider… wahrscheinlich aus gutem Grund. Und damit auch das, was die pathologisierten dir erzählen möchten. Ich frage mich, warum du nicht in der Lage bist, den hier ihre Erfahrungen schildernden einfach mal zuzulesen, ohne sich gleich so krass distanzieren und sie herabwürdigen zu müssen. Na was wird da abgespalten? 😉

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