Monatsarchiv: Juli 2013

Ängste

Wie jeder Mensch habe ich Ängste. Vor Clowns, vor Heuschrecken, vor schlimmen Krankheiten.

Aber meine allerschlimmste Angst ist folgende:

Ich lerne einen Mann kennen. Wir verlieben uns, es ist wunderbar. Er ist aufgeschlossen in jeglicher Hinsicht, bestärkt mich in meinen Plänen, wir ergänzen uns, es ist wunderbar. So wunderbar, dass wir uns entscheiden ein Kind zu bekommen, vielleicht geplant, vielleicht nicht.

Und dann verwandelt er sich. Er redet auf einmal vom Heiraten, weil das steuerlich günstiger sei. Kind in die KiTa, damit ich weiter arbeiten/meine Ausbildung beenden kann? Naja, er weiß ja nicht, ist das so gut für die Entwicklung? Die Frau seines Kollegen sei auch die ersten 3 Jahre zuhause geblieben, er verdient doch auch genug, besonders wenn wir heiraten. Wo er natürlich darauf besteht, dass ich seinen Namen annehme, der Name Müller ist in Pusemuckel-West hochangesehen, ausserdem hat er doch nur Schwestern, wer soll denn den Stammbaum weiterführen? Und überhaupt, da gibt es grad so unfassbar gute Immobilienangebote, er habe da eine entzückende Doppelhaushälfte gesehen, ganz in der Nähe seiner Eltern. Pendeln zur Uni/Schule im sozialen Brennpunkt ist dann zwar schwierig, aber wir kriegen doch jetzt ein Kind und die Frau seines besten Freundes ist auch die ersten 3 Jahre zuhause geblieben! Danach kann ich doch weiterstudieren/mich eitel selbstverwirklichen.

Weil statistisch gesehen geht fast jedes Paar spätestens nachdem Kinder da sind, einer traditionellen Rollenverteilung nach.

Nun steh ich vor einem Dilemma. Ich liebe diesen Mann, wir bekommen ein Kind. Das ist groß und wichtig. Gleichzeitig hasse ich dieses Zukunftsbild, kann aber die Hoffnung aufrechthalten, dass es nur zeitweilig sein wird. Ergo mich selbst bescheißen.

Weil natürlich ist es nicht zeitweilig. Die Jahre fließen dahin, ich bin raus aus dem Berufsleben, es ist nicht mehr meine Szene. Auch er gewöhnt sich mehr und mehr daran dass die Kinder (weil natürlich bleibt es nicht bei einem, ihr habt doch auch soviel Platz in eurer Doppelhaushälfte und die Kristin hat auch wieder ein Kind bekommen und guck mal, ist das nicht süß? Ist es.) allein meine Verantwortung sind, während er den Lebensunterhalt verdient.

So vergesse ich nach und nach, dass ich eigentlich nicht mein Leben damit füllen wollte, Kuchen für Schulfeste zu backen, die Kinder zu Turnieren zu fahren und Krippenspiele mitzuorganisieren. Es finden sich erste Jack Wolfskin Jacken in meinem Schrank, sowie peppige Zipfeltuniken in Pastell für den Sommer.

Nun gibt es 2 Möglichkeiten:

Entweder ich unterdrücke meinen Hunger nach Verantwortung und meine Unzufriedenheit mit erhöhter Aktivität und werde eine Projektmutter, die ihre „Erfüllung“ darin findet ihre Kinder „aufs Bestmöglichste“ zu fördern, während sie immer bitterer wird und ihr Mann den 20jährigen Praktikantinnen hinterhersteigt.

Oder ich besinne mich auf meine Pläne, auf das was mich wirklich glücklich gemacht hat. Was hieße, das ich mit dem Mann brechen muss den ich geheiratet habe, mit dem ich Kinder habe. Das wird immer schwieriger, je länger es andauert und pro Kind potenziert sich die Schwierigkeit noch.

Weil nicht nur, dass ich zu lange ausgesetzt habe, meine ganze verdammte Welt dreht sich nur noch in und um Pusemuckel-West, die Freunde bemerken wie „mutig“ sie das fänden, aber ob nicht die Kinder leiden würden? Und überhaupt, der Mann verdient doch genug, und ist es nicht egoistisch von mir?

Also, entweder ich breche alle Brücken hinter mir ab um das zu tun was ich immer tun wollte, bin damit die Böse die die Scheidung eingereicht hat, weil sie ihren egoistischen Selbstverwirklichungsplänen folgen wollte, oder ich beschließe mein Leben in Pusemuckel-West und bekomme ab und an mal nen Blumenstrauß, weil das Schulfest wieder so superschön gelungen war.

No-Win-Situation.