Genießen Sie die herrlichen Strände von Courage!

So, ich hab mal wieder in ein Wespennest gegriffen (sag bloß!)

Kurzfassung (die Langfassung darf jeder selbst auf Twitter nachlesen, ich werde auch keine Namen nennen) :

Ich hatte heute morgen auf einen mit Foto dekorierten #breitmachmackertweet einer Twitteruserin geantwortet, dass ich das Problem nicht sähe, weil der entsprechende Typ niemanden sichtlich gestört hat und sie obendrein ebenfalls ihre Tasche auf dem Nebensitz geparkt hatte. Das rieche ein bisschen nach Glashaus. (Zudem sie auch noch den Sitz am Gang belegte, das ist so ein pet peeve von mir. Ich hasse Leute die am Gang sitzen. Ich will nicht über euch drüber steigen müssen!)

Sie erwiderte, dass der Gang voll mit Leuten gewesen sei und ich das obendrein „im größeren Kontext“ sehen müsse. Ich vertrat daraufhin den Standpunkt, dass meiner Erfahrung nach so ziemlich alle Platz machen, wenn man sie bittet, sie sagte das hätte sie getan aber es wäre nichts geschehen, usw, usf.

Es wurde bald sehr meta. Ich sei „apolegetisch“ und würde das Problem unterschätzen, wenn ein 2m Schrank seine Füße nicht einziehen wolle, das sei ja auch gefährlich, sich da durchsetzen zu wollen, ich würde mich dem Feind anbiedern etc. etc. Gleichzeitig sei es ja wohl auch keine Alternative, den Mund zu halten und „still zu ertragen“. Mal glatt ignorierend, dass ich genau das Gegenteil angeraten hatte. Unschön.

Bald wurde ich als Kollaborateurin bezeichnet, zudem sei das Problem ja auch strukturell. Männer würden ja statistisch mehr Raum einnehmen. Das könne man nicht auf das Individuum abwälzen.

1) Verdammte Hacke, es ist der ÖPNV! Kommt mal runter

2) Was soll die Lösung des Problems dann sein? Wände zwischen den Sitzen? Ich sehe es so:

Es gibt andere Menschen. Manche davon sind Ärsche, Männlein wie Weiblein. Man muss aber lernen sich mit diesen Menschen zu arrangieren/sich gegen diese Menschen durchzusetzen. Fotos auf Twitter zu posten um darüber hinwegzutäuschen, dass man das nicht geschafft hat und sich trotzdem noch als tolle Aktivistin fühlen möchte reicht da nicht. Wenn das schon jemand, der sich explizit als Feministin und damit Aktivistin versteht, nicht schafft, wer dann?

Irgendwann platzte mir der Arsch und ich bemerkte

Die Suffragetten sind in den Knast gegangen, aber keiner von uns traut sich, nen Platz in der Bahn zu besetzen? WTF?

Es ist tatsächlich so, dass Männer in unserer Gesellschaft präsenter sind als Frauen. Da müssen wir nicht drüber diskutieren. Aber, mal ganz ketzerisch gesagt: Jemand der sich im Zug nicht durchsetzen kann wird es auch nicht in der Chefetage schaffen.

Als Feministin ist die Gleichstellung eines meiner erklärten Ziele. Die wird mir aber nicht in den Schoß fallen.

Es wird nicht so sein, dass nach 100+ veröffentlichen Blogs und 20.000+ Tweets jemand (die Kanzlerin, das BVerfG, der liebe Gott) sagen wird „Achso, ja, wir sperren jetzt alle Leute ein die Frauen schlecht behandeln“

Wir selbst müssen aktiv werden, und damit ist nicht gemeint Fotos von Fremden auf Twitter zu posten. Damit ist gemeint, dass wir in unseren Leben für die Dinge aufstehen, die uns wichtig sind, und die Dinge nicht hinzunehmen, die uns schaden oder ärgern. Für uns UND andere! Courage ist nämlich kein Küstenort in Frankreich.

Wir müssen quengeln, nörgeln und stänkern, immer und immer wieder. Bis es geschafft ist. Und dann weiter quengeln damit es so bleibt.

Das Leben ist schlecht und ungerecht. Wir können aber etwas dagegen tun.

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16 responses to “Genießen Sie die herrlichen Strände von Courage!

  • Resolute Nuss

    Könnte nur mein persönlicher Eindruck sein, aber oft wenn ich Bus fahre sieht es für mich so aus als ob nicht wenige Leute lieber mit etwas Abstand zueinander stehen als sich hinzusetzen und so einem fremden relativ nahe zu sein (hin und wieder sind sogar ziemlich genau die Hälfte der Sitzplätze belegt, obwohl niemand behindert wird). Die letzten Sitzplätze füllen sich oft erst, sobald man im Stehen auch nur noch wenig Platz hat. Ähnlich ist es auch oft mit den Sitzen die gegen Fahrtrichtung ausgerichtet sind, weil diese einen gewissen Anteil an Menschen nicht so gut bekommen.

  • susanna14

    Auf dem Bild sieht es wirklich so aus, als sei da viel Platz, so dass für den Mann kein vernünftiger Grund besteht, seine Beine einzuziehen. Und dass im Gang viele Leute standen, tut nichts zur Sache. (Taschen muss man, wenn es eng wird, auf den Schoß nehmen. – Und jetzt muss ich mich zurückhalten, damit ich nicht auf die Person schimpfe, mit der du dich gestritten hast.)

    Jetzt zu der Frage, wie man sich in einer solchen Situation verhält. Ich sehe da beide Seiten und vertrete eine Mittelposition. Es sollte nicht von der persönlichen Stärke und Durchsetzungsfähigkeit einer Frau abhängen, ob jemand für sie Platz macht oder nicht. In einer idealen Welt sollte es ausreichen, dass sie darum bittet, dass ihr Platz gemacht wird. In einer ganz idealen Welt würden alle ständig aufeinander achten und aufeinander Rücksicht nehmen, so dass es nicht einmal nötig ist, zu bitten. Ich weiß aber nicht, ob diese Welt wirklich so ideal oder nicht auch sehr anstrengend wäre. Insofern denke ich: bitten reicht, und jede Frau sollte lernen zu bitten, dass ein Mann die Füße einzieht. Andererseits leben wir noch nicht in dieser idealen Welt, in der es reicht zu bitten und in der man dann nie eine patzige Antwort bekommt. Wie erreicht man solch eine bessere Welt? Photos auf Twitter sind bestimmt nicht die beste Alternative. Und möglicherweise ist es wirklich so, dass diejenigen, die sich durchsetzen, einen Lerneffekt bei den betroffenen Männern bewirken, der sich für alle Frauen günstig auswirkt. Aber das Problem im allgemeinen zu thematisieren ist auch nicht schlecht.

    Als ich zu bloggen angefangen habe, habe ich mal über die Dichotomie zwischen den beiden Frauenidealen Annika und Pippi geschrieben: https://susanna14.wordpress.com/2012/03/16/kommentare-zum-frauentag/ Ich halte dies für eine unsinnige Alternative, und ehrlich, welche erwachsene Frau will schon wie eine Kinderbuchfigur sein?

  • onyx

    „Wir müssen quengeln, nörgeln und stänkern, immer und immer wieder. Bis es geschafft ist. Und dann weiter quengeln damit es so bleibt.“

    Genau, wir „Aufkreischerinnen“ dürfen nicht still bleiben. Da können die Berufspöbler rumtrommeln wie sie wollen. 🙂

  • stefanolix

    (1) Ich sehe da einen logischen Bruch: Wenn das Verkehrsmittel wirklich voll war und Leute im Gang stehen mussten, dann hatte auch die besagte Frau nicht das Recht, zwei Plätze zu belegen. Dann hätten BEIDE ihre Taschen auf den Schoß nehmen müssen.

    Und (2) Ich fahre sehr viel in Dresden und im Dresdner Raum mit dem ÖPNV. Sobald sich die Möglichkeit dazu ergibt, nehmen Frauen wie Männer heute /gleichermaßen/ den Platz ein, der vorhanden ist. Gern legen Frauen ihre Einkäufe auf weitere Sitzen neben sich, aber natürlich auch Männer ihre Sporttaschen und Studierende aller Art ihre Rucksäcke. Ich könnte jede Woche Dutzende Fotos machen und die raumgreifenden Personen darauf wären ziemlich zu gleichen Teilen weiblich und männlich.

    Wie viel Platz sich eine Person zusätzlich zu ihrem Mindestbedarf nimmt und in welcher Situation sie das tut – das ist schon lange nicht mehr von den Chromosomen abhängig.

  • welf

    Ich find das schon reichlich krass, sich mit Suffragettes, die eingeknastet und verprügelt wurden, weil sie auch ein Wahlrecht wollten, zu vergleichen, weil jemand im Zug seine Beine lang macht.

  • mitm

    „Sie erwiderte, dass .. ich das obendrein „im größeren Kontext“ sehen müsse. Ich vertrat daraufhin den Standpunkt, dass meiner Erfahrung nach so ziemlich alle Platz machen, wenn man sie bittet,…“

    Lucas Schoppe hat für Dein Verhalten vor einiger Zeit den Begriff „Derailing durch Differenzierung (DdD)“ geprägt. Ja wo kämen wir denn hin, wenn man nicht nur alles schwarz/weiß sehen und weltweite Verschwörungen ignorieren würde. Da ist es völlig plausibel, wenn Deine Gegnerin denkt, daß Du Dich „dem Feind anbiederst“ und Dich „als Kollaborateurin“ betätigst.

    „Es gibt andere Menschen. Manche davon sind Ärsche, Männlein wie Weiblein.“

    Davon muß man ausgehen. Leider.

    „Man muss aber lernen sich mit diesen Menschen ….“

    Das will ich alles nicht bestreiten. Der wichtigste Punkt ist in meinen Augen aber, diese unangenehmen Erscheinungen nicht zu verabsolutieren, damit nicht den ganzen eigenen Radarschirm zu füllen, die eigenen neuronalen Netze im Unterbewußtsein nicht dauernd damit zu füttern, hinterher nur noch nach diesen Erscheinungen zu suchen, regelrecht süchtig danach zu werden und jeden zu attackieren, der nicht den gleichen Tunnelblick hat.

    Sondern sich lieber seine Urteilskraft und sein Augenmaß zu bewahren und in solchen Situationen souveräner agieren, wie von Dir vorgeschlagen.

    Ich bin sogar davon überzeugt, daß in den meisten dieser Fälle (wenn das nicht gerade ein grimmiger Schlägertyp ist, neben dem man sowieso nicht sitzen wollte) eine freundlich vorgetragene Bitte, sich auf den Platz setzen zu dürfen, sofortigen Erfolg hat, weil er sonst dumm da steht. „Quengeln, nörgeln und stänkern“ ist fast nie nötig, das schadet nur den eigenen Nerven.

    • Margret

      Nunja. Es gibt schon deutlich mehr Männer als Frauen, die echt mit weitgespreizten Beinen dahocken und damit zwei oder sogar drei Plätze blockieren. Und ich brauche auch immer etwas Mut, bei diesem demonstrativ zur Schau gestellten „ich bin der King“ (oder eben Mackertum)^^ den Platz einzufordern.

  • onyx

    Habe jetzt erst das Bild gesehen, das offenbar Stein des Anstoßes war.
    Also ehrlich gesagt, habe ich mir unter „breitmachmacker“ was anderes vorgestellt. Da hab ich echt schon andere Bilder gesehen. So wie auf dem Bild sitze ich auch, wenn Platz da ist. Wenn ich aber sehe, dass sich da jemand hinsetzen will, ziehe ich die Beine natürlich zurück. Ist wohl eine Frage des Anstandes.

    • Margret

      Es ging jetzt, denke ich, mehr um den öffentlichen Raum und das persönliche Auftreten. Und da sind Männer deutlich präsenter.

      • Vinzenz

        „Es ging jetzt, denke ich, mehr um den öffentlichen Raum und das persönliche Auftreten. Und da sind Männer deutlich präsenter.“
        Und welche Konsequenz schließt du nun daraus?

      • margretandfriends

        @ Vinzenz Z. B. dass die „Spreading“-Diskussion durchaus einen Sinn hat. Es geht dabei um Rücksichtnahme auf andere Menschen. Und wenn man sich z. B. so ein Foto hier ansieht http://twitter.com/Kellrod/status/553737469418799104/photo/1: Die Menschen neben dem Mann haben keinen Platz mehr. Und dieses extrem breitbeinige Dasitzen ist etwas, das tatsächlich in erster Linie Männer machen (manche Frauen stellen allerdings gerne mal die Handtasche neben sich ab, daddeln auf dem Handy und gucken gar nicht auf, wenn neue Leute zusteigen, ob jemand vielleicht den Platz benötigt). http://twitter.com/Kellrod/status/553737469418799104/photo/1.

        Meiner Erfahrung nach ist es auch eher so, dass Männer häufiger mit wenig Fachwissen große Vorträge halten (auch im privaten Gespräch), während Frauen sich trotz höherem Fachwissen von diesen Männern verunsichern lassen. Es ist so ein arrogantes „Hoppla, hier komm ich“-Verhalten, das Männer einfach häufiger zeigen als Frauen. Mir ist es schon mehrfach so gegangen, dass Kollegen oder Komillitonen mich mit superarrogantem Auftreten verunsichert haben, obwohl sie eigentlich gar nichts wussten, sondern einfach konsequent und überheblich falsche Tatsachen vertreten haben. Das Verhalten findet man bei Frauen einfach seltener, da wird eher nachgedacht, ob man nicht doch falsch liegt, auch wenn man sich eigentlich völlig sicher ist.

  • Dummerjan

    „Es ist tatsächlich so, dass Männer in unserer Gesellschaft präsenter sind als Frauen.“
    Sehe ich jeden Tag im Hort.

  • Margret

    Ich sehe das wie susanne14. Wenn sie ihn echt angesprochen hat und er darauf nicht reagiert hat, ist das sehr problematisch. Nicht jeder Mensch kann dann zwingend kämpferisch auftreten, trotzdem ist das ursprüngliche Verhalten nicht in Ordnung. Das wäre dann in die Richtung von „Warum hast Du dich nicht gewehrt“ (natürlich in anderem Kontext aber dennoch).

  • sieleben

    Hier wird offenbar über die wirklich wichtigen Probleme diskutiert.

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