Outlander Season 1: Eine sachliche Besprechung

Ok, Kinder. Ich muß euch etwas gestehen.

Die „Outlander“-Bücher von Diana Gabaldon sind meine liebste Buchreihe. Ja, so uncool bin ich in echt. 🙂 Ich habe das erste Buch (in D „Feuer und Stein“) mit etwa 12 oder 13 gelesen, es lag so bei uns rum und ich hab es fast in einem Zug durchgelesen, mit hochrotem Kopf und tief seufzend, natürlich.

Da ich also sehr starke Gefühle im Bezug auf die Charaktere habe, sah ich der Verfilmung mit seeeehr gemischten Gefühlen entgegen, insbesondere weil ich viele meiner Lieblingsbücher komplett verschandelt gesehen habe („Der Strand“, anyone?). Dennoch musste ich mir das Spektakel natürlich ansehen, allerdings erst, nachdem ich die ersten glühenden Rezensionen gelesen habe.

Meine Wertung? Gemischt. Einiges funktioniert nicht, anderes ist hingegen ganz fantastisch. Also, macht euch bereit für einen langen, ausgesprochen subjektiven, teilweise korinthenkackenden, mit Spoilern vollgepackten Post über Outlander – Die Serie.

Shall we begin?

Claire Elisabeth Beauchamp Randall Fraser

Ich hatte mich beim ersten Lesen in Claire verliebt. Sie ist kompetent, klug und hat Humor. Ich muß nicht erwähnen, wie unfassbar wichtig das ist in einer Geschichte, die komplett aus der Sicht dieses Charakters erzählt wird.

Und das ist leider das Erste, was mir unangenehm aufgefallen ist. Claire in der Serie, gespielt von Caitriona Balfe, funktioniert für mich nicht. Mein Gott ist dieses Weib gestelzt. Ihr Akzent und Wortwahl wirken aufgesetzt, ganz besonders natürlich im Kontrast zu den Schotten. Wir reden hier von einer Frau, welche die letzten Jahre unter Soldaten im Schlamm verbracht hat und vorher von ihrem Archäologenonkel äusserst undamenhaft erzogen worden ist. Das sieht man überhaupt nicht, sie wirkt wie frisch von einer Teeparty für Debütantinnen. Enttäuschend. Insbesondere die ersten paar Folgen sind grausam. Ich verstehe, dass man einen Weg finden musste, ihren point of view irgendwie rüberzubringen, aber guter Gott, die voice over sind so dermaßen schlecht. Captain Obvious und so weiter.

Im Buch ist sie direkt, aber freundlich, in der Serie wirkt sie herablassend und zickig und man fragt sich, was zum Geier alle an ihr finden! Ich dachte mir nur: Sei mal netter zu deinem Mann, der ist ein Guter (aber zu Frank kommen wir später).

Vom Aussehen ganz zu schweigen. Keine Frage, Caitriona Balfe ist atemberaubend schön (und, soweit ich das von Interviews beurteilen kann, auch ziemlich cool), aber sie passt einfach nicht. Buch-Claire ist mittelgroß, kurvig und hat hellbraune Augen und wilde braune Locken. CB ist fast 1,80m, hat fast schwarze Haare, denen man den Lockenstab ansieht, blaue Augen und ist seeehr schlank. Es wirkt beinah komisch, wenn Jamie später von ihrem „herrlichen runden Hintern“ spricht und man fragt sich, was zum Geier daran bitte außergewöhnlich sein soll. Aber das könnte ich sehr leicht verzeihen, wenn die Persönlichkeit stimmen würde, so oberflächlich bin ich ja nu nicht. 🙂

In späteren Folgen wird es etwas besser, der Humor kommt etwas durch und sie wird erträglich. Aber dennoch wurde ich die ganze Staffel nicht richtig warm mit ihr. Das großäugig-rehhafte Spiel von CB passt einfach nicht zu „meiner“ Claire, die als pragmatisch-bis-an-die-Grenze-zur-Brutalität beschrieben wird.

James Alexander Malcolm McKenzie Fraser (für Freunde JAMMF)

Jamie. Ach Jamie. Du feuchter Traum meiner Teenagerjahre. Du Gott unter Männern. Was haben sie aus dir gemacht?

Na gut, so schlimm ist es nicht. 😀 Dennoch, auch hier haben sie nicht ins Schwarze getroffen. Ich hab in Interviews gehört, dass sie Jamie (gespielt von Sam Heughan) als allererstes gecastet hatten, weil es sofort geklickt hätte. Hö? SH ist ein wunderschöner Mann, keine Frage, aber er füllt die Rolle nicht aus.

Erstens, Jamie ist ein Riese für seine Zeit. Das wird immer wieder so beschrieben, dass er in Menschenmassen herausragt wie ein fauliger Daumen und fast alle Männer überragt. Hier ist er gleich groß wie seine Mitstreiter und nur wenig größer als Claire (erwähnte ich, dass sie fast 1,80m ist?). Hmpf.

Was allerdings für mich viel schwerer wiegt, ist dass Serien-Jamie ein Bürschchen ist. Klar, auch im Buch ist er erst 23, was sich manchmal zeigt, aber es wird immer so beschrieben, dass er schon da dieses überlebensgroße Charisma hat, was ihn besonders im weiteren Verlauf der Serie zum geborenen Anführer macht. Hier ist Jamie unheimlich flach und, von seiner körperlichen Attraktivität abgesehen, uninteressant. Man fragt sich, warum es im McKenzie-Clan befürchtet wird, dass er die Führung übernehmen könnte, er ist einfach nichts besonderes.

Etwas, das ebenfalls nicht gezeigt wird, oder zumindest nicht genug, ist Jamies freundliche, lockere, fröhliche Art. Ich denke da an die Szene mit dem kleinen Brotdieb, in der Claire ihn bittet, diesen zu befreien. Sie bemerkt, dass seine Finger doch ziemlich stark seien, und er grinst auf sie herab und fragt fröhlich ob er für sie Nüsse knacken soll, oder so. Das sind so Kleinigkeiten, die fehlen, die zeigen dass er ein netter, umgänglicher Kerl ist. Jamie guckt immer fürchterlich intense und fast alles was er sagt ist unheimlich intense und intense, drama, weight. Buäh.

Auch die Geschichte in Lallybroch mit dem prügelnden Vater ist zu kurz, es fehlt komplett Jamies Eigenmotivation (dass der Junge vor dem Vater Angst hat) seine Interaktion mit dem Jungen etc. In der Serie wirkt es so, dass Jamie den Vater besoffen verkloppt, weil er es kann und Claire hat das gesagt, darum stimmt das schon! Unser Held, ladies and gentlemen… Sowas ärgert mich. Das führt auch dazu, dass der Nachhall von Wentworth nicht so tragisch ist wie im Buch, wo ihm genau diese Leichtigkeit abhanden kommt. Im übrigen ist auch das im Buch besser beschrieben, Jamie legt sich nicht nur ins Bett und isst nicht mehr, sondern er schwankt zwischen Schatten seines alten, fröhlichen Ichs und Verzweiflung. Das geht viel tiefer, wenn ihr mich fragt.  Was uns zum nächsten Punkt führt:

Frank Randall

Ich weiß nicht wie es euch geht, aber serientechnisch bin ich #teamfrank.

Frank ist reifer, interessanter, er ist loyal. Es kann daran liegen, dass ich Beziehungen inzwischen mit anderen Augen sehe als früher, es kann aber auch an Tobias Menzies sexiness liegen, aber ich hoffte, HOFFTE, trotz besseren Wissens, dass Claire in Folge 8 die Steine rechtzeitig erreicht und zu Frank zurückkehrt.

Seien wir mal ehrlich, der Mann ist Historiker (Oxford!), er hat die erotischste Stimme seit Benedict Cumberbatch und er leckt dich in einem verfallenem Schloß! Er hat seine Prioritäten zusammen (-> Es ist mir egal, ob du mir im Krieg untreu warst, ich liebe dich wegen mehr als deiner körperlichen Treue!)

Und, ich wiederhole, spontaner Oralsex in einem verfallenen Schloß! Hottest. Thing. EVA!

Es folgen nun ein paar schamlos fangirlige Beiträge:

https://candidan.files.wordpress.com/2014/09/clairefrank_1.jpg?w=1150&h=657

https://s.yimg.com/ny/api/res/1.2/JU.gAldYdvadhb14pwC8KQ--/YXBwaWQ9aGlnaGxhbmRlcjtzbT0xO3c9NjMwO2lsPXBsYW5l/http://l.yimg.com/os/publish-images/tv/2014-09-10/8afcd120-390d-11e4-a104-a16bebb3d37b_starz-outlander-106-garrison-commander-240224.jpg

(Ja, ihr seht richtig. Mein fangirlen ist sich nichtmal für schmalzige Fanvideos zu schade 😀 )

Und da wir schonmal dabei sind, kommen wir doch gleich auf den zweiten Teil der Doppelrolle zu sprechen:

Jonathan Wolverton Randall („Black Jack“)

Jesus CHRISTUS! Vergesst Joffrey Baratheon, vergesst Hannibal Lecter. Das hier ist der beste Bösewicht seit ewig! (Meiner komplett sachlich-objektiven Einschätzung zufolge. 😀 )

Ich hätte mir nie träumen lassen, dass meine Erwartungen so übertroffen würden!  Tobias Menzies, dieses Gottesgeschenk, spielt BJR genauso, nein besser, als ich es mir jemals hätte träumen lassen. Die Bösartigkeit, gepaart mit düsterem Frohsinn und Freude an Grausamkeit, zusammen mit einer „Zur Hölle damit, ich kann machen was ich will“-Attitüde ist genau das, was ich mir für BJR gewünscht habe.

Ich hatte befürchtet, dass die Adaption eine schlimme, traumatische Kindheit oder sonstigen küchenpsychologischen Blödsinn hinzufügen würde, aber nein, das wurde uns zum Glück erspart.

Der Mann ist ein komplettes Monster und hat Spaß dabei. Ich bin ausgesprochen gespannt auf Season 2, wo ihm ein Bruder und ein paar Facetten mehr gegeben werden müssten. (Nein, er ist nicht tot und ja, ich sagte es gebe Spoiler. Hört doch mal auf mich!)

Ich kann wirklich nicht mehr zu der Performance sagen, man muss sie sehen um zu verstehen.

Die Schotten, die Engländer und der ganze Rest

Aaaah, ein weiterer Lichtblick. Kilts, wohin man hinblickt, wunderbare Kilts! Und Gaelisch! Ohne Untertitel!

Ich hatte anfangs ein paar kleine Probleme mit Dougal und Ian, weil sie, ihr erratet es vielleicht, ganz anders aussehen als im Buch beschrieben. Dougal ist im Buch jünger-aussehend als in der Serie, Ian ist schmal und dunkelhaarig. Aber die beiden, besonders Dougal, machen ihre Sache so gut, dass ich das vergesse. Seht ihr, ich sagte ja, dass ich nicht soooo oberflächlich bin 🙂

Besonderen Beifall haben Murtagh und Rupert gefunden, die ich mir genauso vorgestellt habe und die eine reine Freude sind. Angus als non-book-character passt hervorragend, ebenso Willie.

Mistress Fitz ist eine weitere hervorragende Besetzung, wenn ich sie mir auch immer etwas größer (sie wird als „gewaltig“ beschrieben) und jünger vorgestellt hätte. Laoghaire und Geilis, was soll ich sagen? Perfekt.

Mrs. Baird, Father Baine, der Reverend, es gibt durch die Bank NIX aber auch gar NIX zu meckern. Ich bin durch und durch zufrieden. Und, als besonderes Schmankerl bekommen wir den entzückendsten „kleinen Roger“ den man sich vorstellen kann. Meine Eierstöcke tanzten Cha-Cha!

Von daher: alles richtig gemacht, Casting. Naja, bis auf die unwichtigen beiden Hauptdarsteller. -.-

Dennoch, ich bin bereit ihnen goldene Brücken bauen, versaut es nicht!

Und damit bin ich auch schon am Ende meiner kleinen, bescheidenen Einschätzung. Ich hoffe ich habe euch nicht zu sehr gelangweilt 🙂 

Good night and good luck

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