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This is who I am, this is what I want

Ich bin jetzt mal ganz ehrlich.

Ich habe ausser Dworkin und „Herrschaftszeiten“ keine feministische Literatur whatsoever gelesen.
Das Missy-Magazin kommt nur alle 3 Monate, die Emma ist mir zu teuer, da les ich unterdessen Intouch. Die meisten feministischen „Schulen“gehen recht weit an meiner Lebenswelt vorbei.
Ich lese feministische Blogs, ja das schon.
Allerdings nur die, die mich auch an anderen Stellen tickeln als nur meinem feministischen Bewusstsein. Die meisten sind mir zu theoretisch.

Warum neige ich also dazu, mich als beinharte Feministin zu bezeichnen?


Ich bin jüngstes Kind einer Familie von starken Frauen.
Ein Trauma meiner Mutter war, dass sie damals (ca. 1963) nicht aufs Gymnasium durfte, weil ihre Mutter entschied, dass Realschule für ein Mädchen genügt. Sie hat dann eine Ausbildung zur Kinderkrankenschwester gemacht, im Laufe der Zeit mehrere Fortbildungen und Zusatzausbildungen, sodass sie nun KK-Schwester, Erzieherin und Fachkraft für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Stationsleitung ist.
Sie heiratete recht früh meinen Vater, der 14 Jahre älter war und damals in seinem Studium der Ökotrophologie steckte, nachdem er nicht mehr als Konditor arbeiten wollte. 
Als meine älteste Schwester unterwegs war, schien es völlig klar, dass Mama weiterarbeitet und Papa Zuhause blieb. So blieb es auch bis zu seinem Tod.
Danach durfte ich live miterleben, wie schwer es Mütter und Kinder haben, die aus
Ein-Elternteil-Familien kommen. (Ein Highlight war der Rektor, der meiner Mutter abriet mich auf seinem Gymnasium anzumelden, da erfahrungsgemäß Kinder von Alleinerziehenden auf einer Real- oder Gesamtschule besser aufgehoben seien)
Bei uns zuhause war Emanzipation nie ein Thema, das besprochen wurde, sie wurde gelebt.
Es stellte sich nie die Frage, ob Mädchen genausogut sind wie Jungs, es war selbstverständlich.

 So kann man sich mein Erstaunen vorstellen, als ich auf Menschen traf, für die die Verschiedenheit
der Geschlechter einen erheblichen Teil des Weltbildes ausmacht.

Die Kinderfrau, die von mir Ordnung verlangte, weil „du bist doch ein Mädchen“
Der Mathelehrer, der in der ersten Stunde (7.Klasse) behauptet, dass Mädchen schlecht in Mathe seien.
Die Mitschüler, die mich auslachten, wenn ich sagte, dass ich BvB-Fan sei.
Die Mädchen, die mich mieden, weil ich Computerspiele (Jungskram) mag.
Die Menschen, die mich belächelten, weil ich mich schminke (Mädchenkram).
Die Männer, die bei der kleinsten Gelegenheit „Typisch Frau“ stöhnen.
Die Arbeitskollegen, die mich fragen ob ich meine Tage habe, wenn ich wütend bin.
Frauen, die Sexismus stumm ertragen, weil man das als Frau so macht.  
Freundinnen, die unentgeltlich Omas und Großtanten pflegen müssen, während ihre Väter und Brüder ihr Leben leben dürfen.
Freunde, die grinsen, weil ich ja auch Mädchenspiele wie „Die Sims“ spiele, was mich als Zocker sofort disqualifiziert.   

Das hab ich alles so oft gesehen, es hat mich wütend gemacht, es macht mich heute noch wütend.

Weil es ungerecht ist. Weil es nicht sein muss.

Was will ich also?
-Ich will, dass Frauen nicht mehr wie eine Randgruppe behandelt werden.
-Ich will, dass Vergleiche mit Frauen nicht mehr als Beleidigung gesehen werden.
-Ich will dass Frauen in den Medien als vollwertige Charaktere dargestellt werden.
-Ich will, dass Frauen und ihre Belange ernstgenommen werden, nicht weil es Wählerstimmen  generiert, sondern weil es wichtig für die Hälfte der Bevölkerung ist.
-Ich will dass die Meinung einer Frau genausoviel gilt wie die eines Mannes,
 nicht nur bei  „Frauenthemen“
– Ich will nicht mehr erleben, dass Männer überall in den Flirttonfall fallen,
 bloß weil ich Brüste habe. Man kann auch normal mit mir reden. Ehrlich.
-Ich will kein „Sonderfall“ sein.  
-Ich will Normalität.

Ich denke das ist nicht zuviel verlangt.

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