Archiv der Kategorie: Logophilie ist überall

Unlustige, gemeine Frauen

Ich finds immer wieder faszinierend, dass manche Männer vehement darauf bestehen, dass Frauen niemals nicht lustig sein können, trotzdem wir in einer Welt leben, wo es Frauen wie Tina Fey, Anke Engelke, Evelyn Hamann, Nora Ephron und Frau Cindy gibt.

Dennoch hat Freund Heartiste (aka Roissy, aka Barbara Cartlands jüngerer Bruder. Ich mein „Heartiste“ pfffff! :D) einen „Artikel“ „verfasst“ in dem es mal wieder darum geht, dass nur Männer lustig sind, weil es evolutionär so für sie vorgesehen ist. Also bitte. Wir wissen doch alle, das Menschen nie etwas evolutionär irrelevantes tun! Weiter führt er aus, dass Frauen ganz speziell auf schlechte, gemeine Witze stehen. Das mache sie an.

Er zitiert also einen seiner Buddies: Russell Brand is (to my male eyes) one ugly dude who looks like an ape and is not in particularly good shape; nevertheless women go nuts for him, because he’s famous and considered funny and socially dominant (by abusing social taboos and being cruel to old guys — women generally find cruelty arousing in a socially dominant way)

Russell Brand? Völlig unattaktiv. Es KANN keinen anderen Grund geben als seine politisch unkorrekten Witze, weswegen Frauen ihn geil finden. Zumindest Katy Perry.
Ehrlicherweise hab ich ihn nur als Host bei den VMAs (?) gesehen, fand ich ganz ok.

Erleuchte uns, Freund Heartiste:

[…]chicks dig male status, dominance and personality as much as, or more than, they dig male looks. Men, on the other hand, dig beauty first and foremost, and a woman’s comedic timing, however it might make a man laugh, won’t stir his schnitzel if she’s a dog.

„stir his schnitzel?“ Eh. Bilder im Kopf. Ganz schlimm. Metaphor gone horribly wrong.

Weiter:
 Since women don’t see a benefit from humor in the competition to attract men, their sex, on average when compared to men, has not evolved a strong cortical humor module. Women are better equipped to appreciate humor than they are to produce humor.

„cortical humor module“? Naja, dieses Hirn-Dingen da. SCIENCE, BITCH!
Und seit wann ist Humor eigentlich genetisch? Es gibt wohl kaum etwas, das so kulturell ist wie Humor. Hmmpf.

Er sagt natürlich auch, dass es schon ein paar lustige Frauen gäbe, aber nach seinen Ausführungen ist ja eh klar, dass das nur so vereinzelte Freaks sind. Weil wegen Evolution.

So. Wie kriegt man also Frauen jetzt adäquat mit Witzen ins Bett? Sei gemein. Mach dich über Obdachlose und Fette lustig. Frauen lieben das! Natürlich soll man´s nicht plump machen sondern delivered with supreme confidence, bemused detachment, and eviscerating precision. 
Das sei, ich zitiere: catnip to women´s kitties *TA-TUSCH* . Hach dieser Heartiste. Er hats voll drauf mit Metaphern und so.

Natürlich würden Frauen das NIIIIIEEE zugeben, weil wegen Moral und so, aber in the final calculation the seismic ripples of her pussy will speak louder than any words coming from her mouth
Meine Güte!

 Er gibt ein paar Beispiele:

Me: Sweetcheeks, look. That bum just winked at you. He wants to take you back to his cardboard box. [waving at bum] Hi, bum!
Her: [struggling to conceal a grin] Shh, stop that. Stop waving. You’re horrible.

Me: You want to take a bus? Forget it. [nodding in direction of obese woman] She ate it.
Her: [looking heavenward] Oh my god, I can’t believe you just said that.
Me: I hope it wasn’t a school bus. Think of the children

Her: [smiling] Why are you being so mean?


Me: [looking over at girl in wheelchair] Would it be rape if she can’t feel anyting down there?
Her: [facepalm] Are you SERIOUSLY going to be like this tonight?
Me: You mean, like the bastard you love?
Her: No, like the immature boy I definitely do not love.
Me: Don’t make me pull your ponytail.
Her: I can’t stay mad at you, can I? 

(letzter Satz wurde hinzugedichtet, I suppose)

Hach Witze über Vergewaltigung von Behinderten. Klassiker. Schonmal daran gedacht, dass sie TROTZ deiner schlechten fiesen Witze mit dir schläft und nicht WEGEN?

Es folgt also immer demselben Muster: You revel in your cruelty. She reacts with manufactured disapproval, often stifling laughter. Her vagina moistens. A wave of hidden shame releases a continuous flow of blood to her vaginal walls, maintaining her in a semi-aroused state all day long. Later that night, the floodgates open and you slip in like a lubed eel.

LUBED EEL??? Jesus Christ! Hör mit den Metaphern auf!

Was haben wir hier also gelernt? Dass eine bestimmte Sorte von Männern eine bestimmte Sorte von Frauen anzieht, keiner von ihnen besonders nett. Was wiederum besagte Männer dazu verleitet, ihr Arschverhalten soweit zu rationalisieren, dass sie meinen, wenn andere Frauen aus völlig anderen Gründen Sex mit ihnen haben, läge es trotzdem an ihrem unwiderstehlichen Humor, was natürlich auch zu dem internalisierten Frauenbild passt, dass Frauen nämlich alle eigentlich total mies fies und gemein sind. Es sei denn du dominierst sie. Ach so, und Heartiste ist nicht so lustig und eloquent wie er meint.

Ein Freund von mir sagte mir tatsächlich mal: „Maren, wenn du mit einem Kerl schläfst, obwohl der irgendwie kacke ist, wird er denken, scheiße sein wäre eine gute Strategie um Frauen ins Bett zu kriegen. So sind Männer. Tu´s also nicht.“  Es scheint so als habe er Recht gehabt.

Und damit möchte ich mich für heute verabschieden. Seht euch auch den wunderbaren Artikel auf manboobz.com  an, der mich darauf aufmerksam gemacht hat.

Good night and good luck
 

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Bah, wat für Worte II

Nun folgt Teil 2 der beliebten Blogreihe. Lang erwartet, nun endlich da.
Teil 1 findet ihr hier

Das heutige Schlagwort ist:

„Meine Frau sagt das auch!“

Wird besonders gern von antifeministischen Mitmenschen benutzt, um ihre Thesen zu bekräftigen.

Funktioniert leider nicht so gut, weil:

A)
Ist es zu erwarten, dass bei einem maskulistischen Mann die Frau eventuelle anderslautende Meinungen eher für sich behält (Frauen sollen ja so harmoniebedürftig sein ;))
B)
Die Frau wahrscheinlich mit ihren „Frauenleiden“ wie Belästigung, Sexismus etc. wahrscheinlich nicht zu ihrem Gatten gelaufen kommt. Zumindest wenn er einer der Konsorten ist die von permanenter Frauenbevorzugung in allen Bereichen reden, und Frauen das Recht auf körperliche Unversehrtheit aufgrund ihrer Kleidung absprechen. Nur so ein Gedanke….
C)
Ist es gut möglich, dass der Gatte sie so lange bequatscht hat, bis sie ihm zustimmt.
(Oh stimmt, Schatz, jetzt wo du´s sagst, ich hatte tatsächlich ein T-Shirt mit V-Ausschnitt an, völlig klar, dass sich der betrunkene Mann am Bahnhof nicht mehr unter Kontrolle hatte und mir an die Möpse gefasst hat. Ich Dummerchen!)
Richtig schlimm wird es, wenn es in allen Bereichen so ist, und die Frau eines Hardcoremaskulisten irgendwann davon überzeugt ist, dass sie dem Manne in allen Bereichen untertan ist, und froh, dass sie nur ihrem eigenen Mann zu sexuellen Diensten verpflichtet ist.

Eine kurze Schweigeminute für diese armen Frauen.

So, aber selbst wenn A-C nicht zutreffen, macht es diese einzelne Frau nicht zu einer verläßlichen Quelle für das, was alle Frauen wollen.

Aber, wie ich ja bereits geschrieben hatte, manche Männer neigen dazu Frauen als große homogene Gruppe zu sehen.

Bis zum nächsten Mal, wenn es wieder heißt:
Du schreibst, ich schüttele fassungslos den Kopf


Bah wat für Worte! Teil I

Bekanntermaßen bin ich ja ab und an mal auf maskulistischen und Pick-Up Blogs unterwegs, wo einem die schönsten und farbenfrohsten Metaphern und Formulierungen über den Weg laufen.
Auch unheimlich originell, zumindest vor dem 10.000sten Lesen. Leider ist es nämlich so, dass Formulierungen quasi Wanderpokale sind, die von Blog zu Blog und Kommentator über Kommentator weitergereicht werden.

Die muß man unbedingt für die Nachwelt festhalten, von daher meine neue (und erste!) Serie.
Auch lässt sich an ihnen ganz hervorragend die Geisteshaltung des Verfassers erkennen. Deswegen wird immer eine kleine küchenpsychologische Typisierung mitgeliefert. Bon Appetit. 🙂

Teil 1: Des Kaisers neue Kleider

Die meisten werden wissen, worum es in dem Märchen geht, für Unbedarfte hier

Wird gerne von super-nicht-politisch-korrekten Mitmenschen benutzt, die als einzige offensichtlichste Mißstände erkennen und anprangern (quasi die fehlende Kleidung erkennen).
Sie verstehen sich als Retter des Abendlandes, Recken im Dienste der Rechtschaffenheit, Diener der Wahrheit.
Alles läuft schief in Deutschland und dem Rest der Welt, und sie sind die einzigen, die kommen, sehen und durch Lösungen überzeugen.

Bevorzugte Themen: 

Journalismus
-Quotenregelungen (männlich & weiblich)
-Queertheorie
-Anerkennung von Homosexualität als gleichwertig der Heterosexualität.

-Femizentriertertes Schulwesen, das unsere Söhne als weichgespülte……*zzzzzzzzz*

Oh,entschuldigung, ich muß kurz eingenickt sein.

Wie dem auch sei, gerne wird es begleitet von entrüsteten Wortschwallen alá „Das wird man ja wohl mal sagen dürfen“.

Fortsetzung folgt…..