Archiv der Kategorie: Too school for cool

Das deutsche Bildungssystem ist gerecht und benachteiligt niemanden! Vol. drölfzig (BAföG)

Studenten sind schon ein lästiges Pack.

Entweder sie sind reiche Töchterchen, die protzend ihre Volvicflaschen zur Schau stellen (wir erinnern uns ) , oder sie sind überanspruchsvolle Arbeiterblagen, die nicht einsehen dass sie sich doch mal bitteschön SO RICHTIG krumm zu legen haben um im Akademikerbusiness mitzuspielen. Oder sind sie doch nur zu faul zum Arbeiten? Der Autor dieses WELT Online Artikels ist sich da selbst nicht so sicher.

Es ist schon fast witzig: Einerseit schreibt Piatov richtigerweise als allererstes, dass dank Bachelorsystem viele Studenten eine 40h- Woche an der Uni haben und die Mieten in Unistädten pervers hoch sind, kommt aber dann zu dem Schluß, dass der Unmut doch daher käme, dass die Studis  ein viel zu hohes Anspruchsdenken hätten, und dass BAföG ja nicht dafür da sei, das Bedürfnis nach veganer Nahrung zu decken. Das mag richtig sein, verkennt aber ganz klar, dass vegane Nahrung (auch bekannt als #nudelnmitketchup) die einzige Alternative für Studenten die ausschließlich von BAföG leben (wovon es dann auch eher wenige gibt) , darstellt.

Die geschätzte Autorin bekommt z.B. ganze 150 EU Ausbildungsunterstützung. Hätte ich nach dem Abitur eine Ausbildung angefangen, fast egal welche, ich bekäme heute, im 2. Lehrjahr das Doppelte. Plus eventuelle Ausbildungsunterstützung vom Amt (BAB). (Was gut und richtig ist!) Nun sagt ihr, aber Maren du wirst doch als Akademikerin später mal das drölfzigfache von dem verdienen, was eine Krankenschwester oder ein Schreiner macht. Nein. Ich studiere Lehramt für Haupt-, Real- und Gesamtschulen. Ich werde nicht am Hungertuch nagen, aber reich wird man, vor allem als nichtbeamtete Lehrerin, auch nicht. Und von der Aussicht auf spätere Reichtümer wird auch meine Semestergebühr nicht bezahlt. Aber ich schweife ab.

Nun, der Auslöser des Artikels war, dass unsere BuBi Ministerin Johanna Wanka sich gegen eine automatisch alle 2 Jahre stattfindende Anpassung des BAföGs, welche sich an Preis- und Einkommensentwicklungen orientierte, ausgesprochen hat. Spitzenforschung stehe hingegen auf ihrer Agenda ganz oben. Zusammengefasst heißt das: Forschereliten kriegen mehr Geld, der Feld-, Wald- und Wiesenstudierende muss gucken wo er bleibt.

Ich und meine Kommilitonen sind keine Forscher. Wir studieren um den folgenden Generationen Mathe und Englisch beizubringen, damit sie später eine gute Ausbildung machen und ihrerseits ihren Beitrag leisten können. Je mehr Zeit wir haben uns mit den Inhalten unseres Studiums auseinandersetzen zu können, umso besser werden wir unseren Job machen können, umso besser werden die nachfolgenden Generationen usw… Und Geld kauft Zeit! Sei es Zeit, die nicht im Nebenjob verbracht werden muss oder z.B. Zeit, die in der Bib eingespart wird, weil man Lektüre auch einfach mal kaufen kann, ohne den Rest des Monats Leitungswasser zu trinken. Das hilft, das macht den Kopf frei für Wichtigeres.

Armut ist keine Motivation für Erfolg mehr, sondern ein Unglück, das eines leistungslosen Ausgleichs bedarf. Man arbeitet nicht mehr, um sich etwas leisten zu können. Man kann sich etwas leisten, weil eine solidarische Gesellschaft nun mal so funktioniert – aber wozu dann überhaupt noch arbeiten? Ausgerechnet die Studenten, die später den Wohlstand des Landes sichern sollen, sperren sich gegen den Leistungsgedanken.

schreibt Piatov in seinem Artikel.  Armut bei Studenten ist allerdings keine Motivation für Erfolg sondern vielmehr Motivation für einen Studienabbruch. Nicht weil man sich das neuste Handy nicht leisten kann, sondern weil man die Semestergebühr nicht zahlen kann. Weil man keine Zeit hatte effektiv zu lernen, wegen den Nachtschichten in der Bar. Die Behauptung dass die Solidargemeinschaft dem Individuum nicht nur Lebensminimum, sondern sogar Wohlstand zukommen liesse ist lachhaft.

Denn die Generation Y ist am Limit. Sie bildet sich ein, nach 40 Stunden Uni müsse tatsächlich Schluss sein. In der Berufswelt beklagt sie dann die mangelnde praktische Erfahrung. Sie will nicht neben der Uni arbeiten müssen – so richtig kann man ja noch nichts.

Ich habe das Glück, einen superguten, flexiblen Arbeitsplatz in einem Nachhilfeinstitut ergattert zu haben, wo ich tatsächlich Erfahrung für meinen späteren Beruf sammele. Was allerdings eine Freundin und Kommilitonin (Englisch und Bio) von mir bei nem Bäcker für ihren späteren Beruf lernen soll, ist mir schleierhaft. Aber sie kann da auch mal ein paar Wochen aussetzen, wenn z.B. Prüfungen sind oder ein Praktikum ansteht. Und es wird einigermaßen bezahlt. Darüber hinaus einen Mehrwert zu erwarten ist Luxus.

Mindestlohn muss aber trotzdem sein, darunter macht man sich die Hände nur ungern schmutzig.

Junge, weißt du wie oft man bei 5 Ocken arbeiten gehen muß, um 400 Euro voll zu kriegen? Wo lebst du bitte?

Während man für Reisen, Zigaretten – selbst gedrehte, man muss ja sparen – und Hobbys gerne sein Geld ausgibt, will man für Bildung nichts bezahlen. Ausgerechnet in Bildung, das Tor zur Gesellschaft, zur Kultur und zu materiellem Wohlstand, ist man nicht bereit zu investieren.

Moment, ich mach mal richtig:

Während man für Auslandseinsätze und Lobbyisten gerne das Steuergeld seiner Bürger ausgibt, will man für Bildung so wenig wie möglich bezahlen. Ausgerechnet in Bildung, das Tor zur Gesellschaft, zur Kultur und zu materiellem Wohlstand, ist man nicht bereit zu investieren.  (Fettungen stammen von der Autorin)

So ist´s besser. 🙂

Auch neben dem Studium zu arbeiten, hat mich nicht benachteiligt. Sicherlich hatte ich weniger Zeit, um auf dem Campus in der Sonne zu sitzen, aber ich machte erste Schritte in der Berufswelt, knüpfte wertvolle Kontakte und füllte meinen Lebenslauf.

„Die Getränkehalle Hadelshuber bedauert das Ausscheiden von Herrn XY und wünscht ihm viel Erfolg auf seinem weiteren Lebensweg“ 😀

Wer die politische Einstellung der Studentenschaft kennt, weiß, wie wenig ihr Lebensläufe, der Leistungsgedanke oder Arbeit im Allgemeinen bedeuten. Genau deshalb ist es an der Zeit, eine neue gesellschaftliche Debatte anzustoßen. Auch das BAföG sollte davon nicht verschont bleiben.

Ahhhh, die rote Gefahr von ganz links. Tjaja, BAföG ist ja quasi Kommunismus. Aber das trifft sich ja, wenn diese Debatte dann tatsächlich die gewünschten Ergebnisse liefert, ist Piatov lange nicht mehr vom BAföG abhängig. Die Chuzpe muss man auch erstmal haben, gegen etwas zu schimpfen, wo man selbst Empfänger ist und von dem man augenscheinlich profitiert. Immerhin steht Piatov nicht unter dem Druck, jeden Scheißjob für 5 Ocken annehmen zu müssen, sondern kann im Nebenjob „Erfahrungen sammeln“ und seinen „Lebenslauf füllen“. Womit er hingegen Recht hat ist, dass die Studenten von heute die Leistungsträger und vor allem Steuerzahler von morgen sind. Der Staat hat ein Interesse an gut ausgebildeten, gut bezahlten Bürgern. Die können auch besser das BAföG zurückzahlen. Weil, das ist das Witzige an einem Darlehen lieber Herr Wirtschaftswissenschaftler: Wird es erhöht dann muss auch ein höherer Betrag vom Individuum zurückgezahlt werden. 🙂 BAföG ist schließlich kein Geschenk des Staates, auch das sieht Piatov richtig. Warum er es argumentativ wie eines behandelt wird wohl sein Geheimnis bleiben

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Blogstöckchen Buchvorsätze 2014

Sodele, die bezaubernde Robin hat mir mal wieder ein Stöckchen zugeworfen, und gutes Hundchen das ich bin (wenn auch ein bisschen….langsam) fange ich es auf und verblogge es.

Es geht hier um 5 Bücher, die ich 2014 noch lesen möchte. Nun denn, aufi gehts:

 

Cordelia Fine: Delusions of Gender

Nachdem ich immer und immer und immer und immer wieder auf dieses Buch hingewiesen worden bin, werde ich es dann auch mal lesen.

Warum? Weil ich einfach mal den ganzen pseudowissenschaftlichen Scheiß, der täglich in den Äther gespült wird, verrissen sehen möchte. Der nervt nämlich.

Mark Oliver Everett: Glückstage in der Hölle

Everett ist bekannt als der Frontmensch der großartigen Eels, deren Lieder mit der Soundtrack für meine unglücklichsten und glücklichsten Zeiten waren. Ich hab schon ewig diese seine Autobiographie im Hinterkopf, unter anderem weil ich gerne wissen möchte, wie das denn so war mit Elizabeth

Virginia Woolf: Mrs. Dalloway

Als Anglistikstudentin bin ich natürlich auch einer Leseliste unterworfen. Dieses Buch ist Teil dieser Liste, ich freu mich aber schon drauf. 🙂

Joseph Conrad: Heart of Darkness

Leseliste. Zusammen mit Apocalype Now (jepp, Filme sind auch auf der „Lese“liste. Go figure.)

Christopher Marlowe: Dr. Faustus

Ratet! 😀

 

So, das war´s dann auch schon mit den Büchern die ich mir vorgenommen habe. Tut mir leid wenn das ein bissken öde war, aber soll ich lügen??? 🙂

Da ich ja so spät dran bin, gucke ich einfach alle, die schon von anderen getaggt worden sind, böse-auffordernd streng an. 🙂

 


Geschichten aus dem femizentrierten Schulwesen IV

Es gibt Neuigkeiten von Herrn X. (wir erinnern uns).

Gestern kam eine Mitschülerin (nennen wir sie Susi) mit der ich auch privat befreundet bin, auf mich zu: „Maren, ich muß dir was erzählen!“ 
Sie hat das Vergnügen Religion-GK bei Herrn X. zu haben, sie hatten eine Klausur geschrieben.
Sie war recht fix fertig und raus, aber Herr X. gab einer anderen aus dem Kurs seine Visitenkarte für Susi, mit der Bitte, sie möchte ihm ihre Handynummer geben. Da wohl im Vorfeld schon ab und an mal eindeutige Sprüche gefallen waren, ekelt sich Susi natürlich sehr und ist erstmal ratlos, weil Herr X. nicht grade den Ruf hat, besonders objektiv bei der Benotung zu sein. 

Eine weitere Schülerin ist dann dazugekommen, nennen wir sie Heidi.
Heidi fragt was los ist, wird kurz ins Bild gesetzt und sagt dann: „Ach ja, das hat der bei mir auch schon versucht.“ Lt. Heidi (die ich natürlich auch persönlich befragt hatte, investigativ und so) hatte er ihre Nummer erfragt, nachdem im Unterricht ein *scherzhaftes* „Wenn Sie diese Frage richtig beantworten, lade ich sie ins Kino ein.“ gefallen ist. Sie gibt sie ihm (wie willste auch sonst reagieren) und kriegt wenig später ein Gedicht per SMS, sie erinnere sich nicht mehr genau, aber irgendwas mit „Engelsgesicht“ und so. So weit, so widerlich.

Wenig später fuhr sie auf Kursfahrt. Beim gemeinsamen Grillen mit den begleitenden Lehrkräften (u.a. auch der Vertrauenslehrerin) kommt das Gespräch auf Herrn X. ,der sowohl bei Schülern als auch Lehrern nicht soo sonderlich beliebt ist.
Sie erzählt von der SMS usw. und die Vertrauenslehrerin erzählt ihr, dass sie bereits 3 Schülerinnen mit demselben Problem hatte, und dass sie sich doch so schnell wie möglich an unseren Rektor Herrn Y. wenden solle.

Heidi tut das, Herr Y. sagt, er hätte Herrn X. bereits mehrfach (!!!) darauf angesprochen, aber er könne weiter nichts tun, weil wir ja erwachsen sind und unsere Nummern wenn freiwillig rausgeben. 
Hat er ja auch irgendwo recht. Nunja, er sagte aber bzgl. Notengebung hätte er ein Auge darauf und sie solle Bescheid geben, wenn noch was kommt. Kam aber nicht.

Das Problem bei Herrn X. ist nun, dass er ein kurz vor per Pensionierung stehender Beamter ist.
Kannze nich viel machen. Nur aussitzen.
Dazu kommt (und das hat er persönlich im Lateinunterricht erzählt, natürlich abstreitend), dass er von seiner vorherigen Schule (einem normalen Gymnasium) „geflogen“ ist, weil er gegenüber einer Kollegin und einer Schülerin „verbal übergriffig“ geworden ist. Na das kann ich mir ja nu gar nicht vorstellen….Aber dass dem das nicht peinlich ist… Ich würde mich in Grund und Boden schämen.

Ein ganz besonderes Geschmäckle geben dann auch die Zusatzinformationen, dass Herr X. (unter anderem) Lehrer für katholische Religion ist, und dass seine Frau Rektorin an einer Grundschule ist, also einen höheren Posten hat als er.

Merke: Alte Lustmolche sind IMMER widerlich und ich bin froh, dass ich nicht sein Typ bin. Vielleicht bin ich ja zu alt.


Geschichten aus dem femizentrierten Schulwesen III

Aaaargh! AAAAAARGH! Das kann ja wohl nicht wahr sein!
Jetzt treiben sich die blöden Maskus schon in meinem Alltagsleben rum!
Es wurde ein Maulwurf eingeschleust!!!!

Aber von Anfang: Mein entzückender Mitschüler S. (letztes Jahr Schülersprecher, dieses Jahr wiederholt er das 3. Semester, ist also in meinem Soziologiekurs) hat mich heute mal so richtig aufgeregt.

Wir hatten von unserem (ganz ironiefrei entzückenden) Oberindianer Herrn R. die feine Gruppenarbeit (yeah) bekommen, anhand einiger Quellen die Auswirkungen des demografischen Wandels, also der Überalterung Deutschlands, auf die verschiedenen gesellschaftlichen Subsysteme zusammenzutragen.

So weit, so unspannend.

Kollege S. hatte die Aufgabe (zusammen mit einem weiteren Herrn aus der Zielgruppe des Blogs „Venus küsst Amor“), das Subsystem Politik und Recht zu bearbeiten.

Fängt an und redet erstmal vom Pillenknick und der Frauenquote.
Konsternierte Gesichter allerorten, Herr R. läßt ihn aber erstmal weiterreden.

Nach einer Weile sagt er: „S., das ist nicht richtig, es ging um Wirkung, nicht Ursache“
S:“Aber warten Sie, es ist doch so, dass die Frauen statt Kinder zu bekommen, den Männern die Arbeit wegnehmen!“

Ich sag mir, Maren, sachse ma nix. Hast eh schon son komischen Ruf inner Schule.

Ich sitze also auf meinem Platz, versuche an mich zu halten (schwer, seeeeeeehr schwer) und blende deswegen einen Großteil des dünnpfiffigen Gelabers meiner beiden Mitschüler aus.
Kenn ich eh alles schon.

Auf einmal hebt Herr R. seine Stimme: „S., was sollen wir denn machen, sollen wir wieder Zustände einführen wie 1945? Mutterkreuze verteilen? Verhütungsmittel verbieten?
Also komm jetzt bitte zum Punkt“

S. natürlich schweeer beleidigt, das wenige was dann aber noch passte hat er dann auch abgeliefert, wurde alles besprochen. Die anderen Gruppen stellten dann ihre Ergebnisse vor.

Da S. auch noch direkt hinter mir sitzt, konnte ich dann aber sein zartes Stimmchen vernehmen, wie er abfällig zu seinem Jünger sagte:
„Hätten die alle Kinder gekriegt, ginge es uns jetzt gut.“
Ich hatte selten so dermaßen das Bedürfnis, jemandem die Fresse zu polieren.
Hätte bei dem kleinen zarten Männlein wahrscheinlich auch gewonnen.
(Blöd ist der auch noch, ist auch bei mir in Bio. Selbst bei der xten Wiederholung verzweifelt er noch an der Meiose) 

Ok, und jetzt raus damit, wer wars? Roslin? Nee, zu alt. Sebamax? Nee, der schafft et nich in die Oberstufe. Terminatus? Ösi. RAUS DAMIT!

P.S. Meine anderen männlichen Mitschüler haben mich dagegen sehr stolz und froh gemacht, indem sie direkt das o.g. Video zitierten *g* Es gibt wohl noch Hoffnung.


Geschichten aus dem femizentrierten Schulwesen II

Heute, Englisch LK, Erwachsenenbildung

Besprochener Satz:  
Girls are especially interested in games that require social skills

Frage: Was heisst social skills? Antwort: Soziale Kompetenzen.
Weitere Frage: Was sind soziale Kompetenzen (augenroll)

Mitschüler meldet sich und beantwortet: „Kochen, Kindererziehung und so.“

Hilarity ensues.

Merke: Wenn irgendwo im Satz eine Geschlechtsbezeichnung vorkommt, ist das IMMER eine Aufforderung, wild Rollenklischees von sich zu geben.

Ham wa wieder was gelernt.