Monatsarchiv: November 2016

Fascinating Womanhood Chapter 12

Was bisher geschah…

Meine Theorie war ja immer, dass Helen Andelin FW geschrieben hat, um anderen Frauen zu helfen ihren grauenvollen Ehemann zu ertragen, von dem sie sich nicht trennen können, weil ihre christlich-fundamentalistische Community sie sonst ausstoßen würde.

Dann habe ich das vorliegende Kapitel gelesen und auf einmal wurde mir klar, dass alles deutlich düsterer ist, als ich bisher angenommen hatte.

Das Kapitel heißt Masculine PrideDon´t Wound His Sensitive Masculine Pride. 

Laut Andelin ist der Mann an sich sehr stolz und sehr empfindlich, was seine masculine qualities angeht, welche im Prinzip bereits erschöpfend in den vorherigen Kapiteln, besonders aber in Kapitel 5  behandelt worden sind.

If any of these masculine traits are weak or missing, his pride will prompt him to obscure this lack from the world as much as he can. […] he is sensitive when his status is not recognized or appreciated, or when he fails to achieve the status he seeks

Hu boy! Ich weiß ja nicht wie es meiner Leserschaft geht, aber in meinen Ohren hört sich das klar nach etwas an, was Feministinnen als toxic masculinity nennen.

A man cannot stand to have his masculinity belittled, ridiculed, or treated with indifference

One of these things is not like the others….

Aber lesen wir weiter:

How to avoid wounding his pride

Never suggest that he doesn´t measure up in his manhood […] In his efforts to care for his family, never imply that he could do better, or that someone else is doing better. Never indicate that his manly care and protection are not needed […] Never ignore a demonstration of his masculinity. And take care that you never excel him in anything masculine.

Stellen wir uns mal kurz vor, wir wären Helen Andelin und würden mit einem Mann zusammenleben, dessen Ego so dermaßen empfindlich ist, dass man nicht nur jedes Wort genauestens prüfen muss, sondern bei dem man sich selbst und seine Fähigkeiten, sofern sie denn als maskulin ausgelegt werden können, stets runterspielen muss, damit der Partner nicht beleidigt ist. Wie muss eine Beziehung aussehen, wenn so ein Verhalten als notwendiger Rat gegeben wird, damit das zusammenleben funktioniert?

Wie soll man aber nun mit den entsprechenden maskulinen Qualitäten umgehen, damit das zerbrechliche Ego nicht beschädigt wird?

The masculine body

Never say for example, „I don´t like beards“ or „Why did God make hair on men´s chests“. If he stands before you with his chest bare and his muscles flexed, hoping to win your admiration, don´t act indifferent.

Never suggest he build up his muscles or compare him to someone taller or stronger. If he is lacking in his sex function, avoid making an issue of it. Try to discover the cause and work for a solution

Fair enough. Die Anweisung hier ist quasi „Don´t be a dick to your husband“

A man can be painfully humiliated to have a woman excel him in anything requiring masculine strength or skill. […] To excel a man in anything masculine is to belittle him. It makes him feel like less of a man. […]

Don´t belittle, show indifference, or excel him in anything which requires masculine ability. This applies not only to skills in his work, but to other things such as carpentry, mechanics, fishing, hunting, masculine sports, math , or anything in which he has masculine pride. […]

For example, if your car is stalled and he is trying to fix it, don´t suggest he call a repairman. […] And if, through necessity, you must perform some masculine skill yourself, don´t outshine him.

Falls ihr euch wundert, so kommt es übrigens auch zustande, dass einige Männer glauben, dass Frauen komplett inkompetent in allen „nichtweiblichen“ Bereichen sind. Sie wurden dazu erzogen, immer schlechter zu sein als Männer. Und nein, es ist nicht so als wäre es ein Buch mit einer verschwindend geringen Leserzahl, es wird nach wie vor aufgelegt, wurde millionenfach verkauft und hat zur Zeit 56 Rezensionen auf Amazon.us.

Andelin weist auch mehrfach darauf hin, dass man seine Leistungen und Ziele nicht schmälern solle, egal wie diese aussehen. Ja, es ist sogar ein Vergehen, wenn man zu beschäftigt ist, ihm zuzuhören wenn er nach Hause kommt, oder wenn man ihn nicht permanent Honig um den Bart schmiert, wenn er was erreicht.

Man sollte dieses Buch umbenennen in „Masculinity so Fragile – The Book“ -.-

Dann gehts aber natürlich noch um die Persönlichkeit:

A previous chapter referred to character traits which seem to be distinctly masculine – decisiveness, steadfastness and aggressiveness, whereas women tend to be vacillating, submissive and complacent. Do not, therefore indicate that he is lacking in the masculine traits, or in any way inclined to be vacillating or submissive

Interessant oder?

Andelins Wortwahl lässt stark vermuten, dass sie schon der Meinung ist, dass dominante Frauen und submissive Männer (wenn man das Ganze schon auf zwei Extreme runterbrechen will) existieren, dass es nicht mal so selten ist, aber sie gibt hier klar die Anweisung, diese Impulse zugunsten des männlichen Egos zu unterdrücken. Wie schon vorher ab und an mal leugnet sie patriarchale Strukturen nicht, zieht aber aus den Gegebenheiten völlig andere Schlüsse, als es eine Feministin oder auch nur eine moderne Frau täte.

Nun geht es natürlich auch um die männliche Rolle als Ernährer der Familie, welche die Frau mit ganz besonderer Sorgfalt und Zartgefühl zu behandeln hat, insbesondere wenn sie – jepp – selber verdient.

Wenn sie denn nun unbedingt arbeiten MUSS, sollte sie folgendes vermeiden:

  • Remind him that he couldn´t make it without you
  • Complain about how hard you work, or how much you sacrifice because you work
  • Explain to everyone that you work because […] the family could not get by without the extra money
  • Tell everyone how much your parents do for you and how you could not get by without your help
  • Excel him in your work: Do a better job. Advance to a higher position. Bring home more pay

Muss ich dazu noch was sagen? In meinen Abenteuern im Masku-Land habe ich tausendfach gehört, dass es die Frauen seien, welche Wert auf einen gut verdienenden Partner legen, wofür sie den Begriff Hypergamie aus der Ethnosoziologie verwenden. Interessanterweise ist es aber offenbar so, dass es der Mann ist, der Wert darauf legt, die sogenannte finanzielle Oberhand in der Beziehung zu haben. Auch wird diese Art der Partnerschaft wohl in erster Linie in patrilinearen Gesellschaften (*hust* oder Patriarchaten *hust*) praktiziert. Der Leser mache daraus was er will.

Wenn ihr nun aber davon ausgeht, dass das Verdienertum für eine nichtverdienende Hausfrau eine nichtexistierende Klippe ist: Weit gefehlt!

Niemals, ich wiederhole, NIEMALS auch nur im entferntesten suggerieren, dass so ein bisschen mehr Geld schon ganz nett wäre, und niemals die Worte „We can´t afford it“ äußern! Und vor allem belästige ihn niemals mit den Gegebenheiten des finanziellen Alltags, auch und gerade wenn das Geld vorne und hinten nicht reicht!

Andelin macht uns mit dem fiktiven Paar Tom und Mary bekannt:

Tom sieht sich die Rechnungen an und bemerkt, fishing for compliments, dass es ja ganz schön teuer sei, eine Familie zu unterstützen.

Mary: „Well it´s not my fault! I scrimp and save, sew all the children´s clothing myself, make our own bread, and never buy a thing for myself. Other women got to the beauty salon [etc.], but I go without these things“ (Hoping to win appreciation)

Tom: „Do you really go without?“ (Hoping she will reassure him that she doesn´t)

Mary: „I´m only trying to help. I would rather go without the things I need, than see you worry“ (Hoping again for appreciation)

Das ist das Negativbeispiel. Andelin beschreibt, dass Tom nun eine Mischung aus Groll gegenüber seiner Frau und sich selbst fühlt weil es so aussieht als sei er ein Versager.

Das führt dazu, dass er gereizt bemerkt, er wäre wohl in ihren Augen kein toller Versorger, was?

Das Positivbeispiel fängt mit derselben Aussage Toms an:

Mary: „Doesn´t it, though? How have you managed so well? It must be a tremendous responsibility to provide for a family!“

Tom: „Oh, I don´t mind it, but it does has its trying problems. But, I feel capable of the job. Yes, quite capable!“

Mary: „It´s wonderful to feel secure and know that you will always provide for us!“

Wieder mal wird das fragile Ego der Mannes an allererste Stelle gesetzt. Es ist egal, ob sie kaum über die Runden kommen, die Hauptsache ist, dass Tom sich wie ein Held fühlt, weswegen finanzielle Probleme niemals angesprochen werden dürfen. Auch ist das Selbstwertgefühl von Mary, die ja keinen kleinen Beitrag leistet, keiner Erwähnung wert.

So reagieren Menschen, deren Leben ganz und gar von den Launen anderer Menschen abhängig ist, in Diktaturen zum Beispiel.

Andelin präsentiert noch ein paar andere Beispiele und Situationen , die Klippen für das männliche Ego darstellen könnten, in denen Männer ihren Frauen waghalsige Investitionen unterbreiten und ganz beleidigt sind, wenn sie ihn nicht sofort mit Lob überschüttet sondern diese Ideen praktisch und sachlich hinterfragt. Oder wo eine Frau ihrem Mann Tipps gibt, wie er den Unterricht in der Sonntagsschule verbessern könnte und er „violently angry“ wird und ihr vorwirft ihn nie geschätzt zu haben.

Oder mein persönlicher Liebling, wo ein Mann ein Theaterstück plant und seine Frau fragt, ob sie die Kostüme fertigt. Sie stürzt sich in die Arbeit, erfreut ihm helfen zu können und er bellt sie nach einiger Zeit an, sie würde sich ja gar nicht mehr für ihn interessieren, sondern nur für die Kostüme. ^^

Her failure was her all-consuming interest in the costumes rather than the play. She missed her opportunity to observe his talents as a director, organizer, and teacher. […] He felt hurt by her indifference to his talent and success.

Also das wäre eine Situation wo ich persönlich sagen würde „Mach doch deinen Scheiß alleine!“, aber was weiß ich unverheiratetes Ding schon.

Andelin fährt fort die Auswirkungen auf die Psyche eines Mannes, der solch grober Behandlung ausgesetzt ist, zu beschreiben und boy oh boy, ist es furchtbar!

Er wird ihr gegenüber zurückhaltend sein! Er wird taub und blind gegenüber der Schönheit der Welt und eventuell sogar impotent! Er wird anfangen sie anzulügen! Vielleicht sogar alles auf einmal!! Und alles nur, weil sie nicht genug gelächelt hat, als er nach Hause gekommen ist und sie war gerade dabei zu kochen und hatte keine Zeit ihm zuzuhören. Ja, das ist ein tatsächliches Beispiel aus dem Buch.

Es wäre nicht FW, wenn es keine Leserbriefe gäbe:

In einem schreibt die Frau eines Forschers/Seemanns (?), die monatelang mit 4 Kindern allein war, dass sie unheimlich unzufrieden war, weil sie sich gefühlt hat wie quasi-geschieden. Nachdem sie dann aber (ziemlich wortwörtlich) das Licht FWs gesehen hat, schrieb sie ihrem Mann lange liebevolle Briefe, in denen sie nicht mehr ihre Schwierigkeiten schilderte, sondern ihn in höchsten Tönen lobte und sich völlig unterwarf. Der Mann war entzückt und fand seinen Job auf einmal total doof, kam nach Hause und kaufte der Familie eine kleine Farm in Washington, auf der sie fortan alle zusammen lebten.

Und der Name der Mannes, der ihnen die Farm verkaufte? Albert Einstein. 😀

einstein_1921_portrait2

 

Good night and good luck

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