ESC und Deutschland: Der Versuch einer Analyse

Gestern war ja ESC, und Deutschland hat, zum wiederholten Male, den letzten Platz belegt, mit Jamie-Lee Kriewitz (in unserem Haushalt liebevoll „Schemi-Lee“ oder „Das Mangamädchen“ genannt) und „Ghost“.

Natürlich flattern seitdem wieder tausende Erklärungsversuche durch den Äther, natürlich wird wieder in erster Linie Deutschlands und insbesondere Merkels Politik die Schuld gegeben. So ein Blödsinn, und genau das ist auch mit ein Grund für Germany´s mehrjähriges Versagen. Aber fangen wir doch bei der Musik an, es ist ja doch eigentlich ein Musikwettbewerb. ^^

Und die Musik, die aus Deutschland dahin geschickt wird, ist an Blahigkeit und Uninteressantheit kaum zu überbieten. Der Refrain von „Ghost“ ist unheimlich öde und schleppend, machen wir uns nichts vor. In den Strophen gibt es ein paar nette Momente, aber auch nichts Weltbewegendes. Der Auftritt wird sehr bald vergessen. Es ist halt der Siegersong einer Castingshow. Als Sängerin ist Jamie-Lee ganz nett, aber, nun ja, bleibt immer auf Castingshowniveau. Wenn man sich die anderen Interpretinnen langsamer Lieder ansieht, fällt direkt auf, dass die mal wirklich in ner GANZ anderen Liga spielen, professionell ausgebildet und mit der stimmlichen Fähigkeiten, auch eher öde Lieder mithilfe ihres Gesangs aufzuwerten (Australien, ich sehe in deine Richtung). Die Sängerinnen, die stimmlich in Jamie-Lee´s Liga spielten, waren so klug, entweder schnellere Songs zu wählen oder mit Sex-Appeal auszugleichen. (Aserbaidschan….). Zudem erweckten sie auch zum Großteil den Eindruck, dass sie echt Spaß am Auftritt hatten und hatten die Bühne im Griff, eine Choreo, eine ausgefeilte Show. Irgendein Unterhaltungselement eben.

Wir hatten ein Mädchen in einem seltsamen Outfit, das zu einem mittelmäßigem Song durch ein paar Lichteffekte marschierte. Komisch, dass wir so weit unten lagen. ^^

Jamie-Lee, möchte ich anmerken, kann dafür am wenigsten. Sie war meiner Meinung nach in erster Linie das Vehikel für die Ambitionen anderer. Die Ambitionen von Smudo, vom NDR, was weiß ich. Man nimmt ein junges, dunkelhaariges Mädchen aus dem Raum Hannover, pappt ihr einen Song auf (Gipfel der Faulheit, dass es diesesmal noch nichtmal ein neuer Song war, sondern der Castingquatsch 1:1 übernommen wurde) und schickt sie zum ESC. Hat einmal geklappt, wird ja wohl auch wieder klappen. Nee. Lena hatte Charisma und eine Bühnenpräsenz, die man mit dem Messer schneiden konnte, das Selbstbewusstsein, sich ganz auf sich zu verlassen, im schlichten Kleid mit herunterfahrener Bühnenshow. Funktionierte, obviously.

Jamie-Lee ist nicht soweit, sie benötigt das Gimmick, die Verkleidung als Mangamädchen mit den putzigen Gegenständen im Haar. Ein buntes Kleidchen ist kein Ersatz für Charisma und Persönlichkeit. Es ist keine Schande, mit 17 nicht die Größe zu haben, auf einem Wettbewerb wie dem ESC zu bestehen, es ist allerdings eine Schande, ein solches Mädchen in blindem Aktionismus auf einem solchen Wettbewerb zu verheizen. Schlechtes Management sowieso.

Mich beschlich schon beim Eklat um Xavier Naidoo der Verdacht, dass die Verantwortlichen beim NDR einfach keine Ahnung von und keinen Bock auf Musik haben. Xavier Naidoo ist in Deutschland seit langem kein erfolgreicher Musiker mehr, geschweige denn im Ausland. Er kann singen, okay, wenn man das weinerliche Geknödel und den lieben Gott mag. Aber er ist doch eigentlich kein aktiver Musiker mehr oder? Er sitzt nur bei Voice of Germany in der Jury, einer Sendung, die einen gewissen Erfolg hat. Das roch nach: Komm, der kann bissken was, der ist dazu bereit und der ist einigermaßen bekannt. Da schalten viele Leute in Deutschland ein. Ähnliche Gedanken wird es bei Jamie-Lee gegeben haben, es wird ja wohl kein Zufall sein, dass sie denselben Ursprung haben. Die deutschen Verantwortlichen denken sicherlich nicht an den Wettbewerb selbst, sie denken daran, ob und wieviele Leute es in der Heimat dann gucken. Ziel ist nicht, den ESC zu gewinnen, Ziel ist, einen Aufhänger für das Barbara Schöneberger Vehikel zu haben. Und das rächt sich.

Ich möchte auch gerne einmal die Zusammensetzung der Jury ansprechen: Das sind 2016 Sarah Connor, Anna Loos, Namika und 2 Nasen von The Boss Hoss (unter anderem bekannt aus…. na raten Sie´s?). Fünf mittelmäßig erfolgreiche Popsänger. Warum sitzt da nicht jemand von ner Plattenfirma, vom Musikfernsehen, Radio oder sonst jemand, der mal einen anderen Blick darauf werfen würde? Achja, die könnten ja dann nicht auf der Reeperbahn performen, es ist nämlich interessanterweise so, dass seit etwa 2011 (da war Ina Müller Jurypräsidentin, gibts den Titel überhaupt noch?) fast alle Jurymitglieder fest in das Rahmenprogramm als Showact eingebaut sind. Was das bedeutet, darüber darf der geneigte Leser selbst nachdenken.

Zusammengenommen sind das alles deutliche Indikatoren dafür, dass der NDR weder sonderlich viel Zeit noch Mühe auf den ESC verwendet. Es wird irgendein Lied genommen von irgendeinem Künstler, der eventuell grad einen kleinen Bekanntheitsschub hat oder nicht, dann werden irgendwelche Nasen in die Jury gesetzt, die eventuell Bock haben am Finaltag von Barbara Schöneberger anmoderiert zu werden. Zack, feddich, ESC, letzter Platz.

Wär ja alles auch gar kein Ding, wenn nicht JE-DES-MAL wieder die „Wir werden aufgrund unserer Politik abgemahnt“-Sau, zusammen mit der „Es ist eine Schande, dass wir als superduper Geldgeber so wenig Punkte bekommen“-Sau durch das Internetdorf getrieben wird. Und genau diese Einstellung ist, wie oben angedeutet, mit ein Grund dafür, warum Jahr für Jahr gescheitert wird.

Als Geldgeber müssen wir uns nicht qualifizieren (was ein wahres Glück ist) und sind automatisch im Finale. Es erkauft keinen Sieg. Soo wichtig ist Deutschland nicht und wir sind hier auch nicht bei der FIFA. Vielleicht wäre es aber mal eine Idee, dass wir auch ein paarmal im Halbfinale rausfliegen. Einfach, damit sich jemand mal ernsthaft Gedanken macht, wie wir denn weiterkommen könnten, im Moment tut das nämlich wohl keiner.

Zum Politikargument: 41 Länder stimmen ab. Und alle 41 hassen uns so sehr, dass sie uns absichtlich keine Punkte geben, so wichtig sind wir nämlich. Ach nee, sind wir ja gar nicht. Das ist eine ganz bestimmte Art von Narzissmus, der unbedingte Glaube, dass alle einen hassen und mobben. Es ist zudem echt bequem, weil man sich dann ja gar nicht so anstrengen muss, man hat dann ja zur Not die Begründung „Alle hassen mich eh“. Zumal Russland oder Israel, deren Politik deutlich kontroverser sein dürfte, aus diesem Grunde immer letzter sein müssten.

Es ist schon fast empörend wie wenig sich die deutschen Verantwortlichen um den ESC scheren, wie faul und lieblos damit umgegangen wird. Und natürlich kann man sagen „Oorrrr, da gibt es doch weiß Gott wichtigeres und überhaupt, das ist doch eh so ein Müll“. Ja, gibt es und ja, ist es.

Dennoch. Es ist der größte Musikwettbewerb der Welt und ich denke, dass es Europa gut tut, sich einmal im Jahr zu einer Verastaltung zu sammeln, wo es mal nicht um DIN-Verordnungen oder Handelsabkommen geht, sondern um die schönen Dinge im Leben, Musik und Bombast, um die man freundschaftlich konkurriert. Auch und gerade für das Gemeinschaftsgefühl.

Also bitte, warum nicht wieder ein Casting wie bei Raab, wo zuerst eine Persönlichkeit gewählt wird und dann geschaut wird, was für ein Lied beim ESC zu dieser Persönlichkeit passen könnte und was angemessen wäre. Hat doch schonmal geklappt? Warum nicht eine Jury, wo Menschen zusammen sitzen, die Spaß an der Sache haben und Ahnung von Musik, und denen es nicht darum geht, ihre eigene klägliche Karriere zu pushen?

Das fänd ich total gut.


Ist Star Wars VII: The Force Awakens das Beste Ding Seit der Erfindung von Honig in der Tube?

Disclaimer:

Dieser Artikel setzt aus verschiedenen Gründen voraus, dass Star Wars Episode VII gesehen wurde

Kurze Antwort:

JA! Aber Hallo! Sowas von!

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Marens ultimatives Star Wars Ranking (Stand 12/2015)

Hey, ein neuer Star Wars Film ist rausgekommen.

HEY, ER IST TATSÄCHLICH RICHTIG GUT!!!

Ich kann wirklich nicht genug betonen, wie wunderbar es für mich ist, dass Star Wars wieder da ist. Nach Jahren der Schmerzen, in denen die einzige Erleichterung war, Witze über Ani und seine starken Gefühle gegenüber Sand zu machen. Nach Jahren des Konflikts, wo ich versucht habe, den Prequels IRGENDWAS abzugewinnen, weil, ernsthaft, da muss doch irgendwas sein!!!

Endlich wurde das riesige, X-Wingförmige Loch in meinem Herzen gefüllt. Der Heilungsprozess kann beginnen.

Die Grundfrage ist natürlich, WIE GUT ist Star Wars VII: Das Erwachen der Macht tatsächlich, so im großen Ganzen? Das nehme ich zum Anlass, hier mal meine persönliche, begründete Hitliste der Star Wars Filme zu veröffentlichen.

Das bedeutet natürlich Spoiler ohne Ende. Beginnen wir also:

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Outlander Season 1: Eine sachliche Besprechung

Ok, Kinder. Ich muß euch etwas gestehen.

Die „Outlander“-Bücher von Diana Gabaldon sind meine liebste Buchreihe. Ja, so uncool bin ich in echt.🙂 Ich habe das erste Buch (in D „Feuer und Stein“) mit etwa 12 oder 13 gelesen, es lag so bei uns rum und ich hab es fast in einem Zug durchgelesen, mit hochrotem Kopf und tief seufzend, natürlich.

Da ich also sehr starke Gefühle im Bezug auf die Charaktere habe, sah ich der Verfilmung mit seeeehr gemischten Gefühlen entgegen, insbesondere weil ich viele meiner Lieblingsbücher komplett verschandelt gesehen habe („Der Strand“, anyone?). Dennoch musste ich mir das Spektakel natürlich ansehen, allerdings erst, nachdem ich die ersten glühenden Rezensionen gelesen habe.

Meine Wertung? Gemischt. Einiges funktioniert nicht, anderes ist hingegen ganz fantastisch. Also, macht euch bereit für einen langen, ausgesprochen subjektiven, teilweise korinthenkackenden, mit Spoilern vollgepackten Post über Outlander – Die Serie.

Shall we begin?

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Genießen Sie die herrlichen Strände von Courage!

So, ich hab mal wieder in ein Wespennest gegriffen (sag bloß!)

Kurzfassung (die Langfassung darf jeder selbst auf Twitter nachlesen, ich werde auch keine Namen nennen) :

Ich hatte heute morgen auf einen mit Foto dekorierten #breitmachmackertweet einer Twitteruserin geantwortet, dass ich das Problem nicht sähe, weil der entsprechende Typ niemanden sichtlich gestört hat und sie obendrein ebenfalls ihre Tasche auf dem Nebensitz geparkt hatte. Das rieche ein bisschen nach Glashaus. (Zudem sie auch noch den Sitz am Gang belegte, das ist so ein pet peeve von mir. Ich hasse Leute die am Gang sitzen. Ich will nicht über euch drüber steigen müssen!)

Sie erwiderte, dass der Gang voll mit Leuten gewesen sei und ich das obendrein „im größeren Kontext“ sehen müsse. Ich vertrat daraufhin den Standpunkt, dass meiner Erfahrung nach so ziemlich alle Platz machen, wenn man sie bittet, sie sagte das hätte sie getan aber es wäre nichts geschehen, usw, usf.

Es wurde bald sehr meta. Ich sei „apolegetisch“ und würde das Problem unterschätzen, wenn ein 2m Schrank seine Füße nicht einziehen wolle, das sei ja auch gefährlich, sich da durchsetzen zu wollen, ich würde mich dem Feind anbiedern etc. etc. Gleichzeitig sei es ja wohl auch keine Alternative, den Mund zu halten und „still zu ertragen“. Mal glatt ignorierend, dass ich genau das Gegenteil angeraten hatte. Unschön.

Bald wurde ich als Kollaborateurin bezeichnet, zudem sei das Problem ja auch strukturell. Männer würden ja statistisch mehr Raum einnehmen. Das könne man nicht auf das Individuum abwälzen.

1) Verdammte Hacke, es ist der ÖPNV! Kommt mal runter

2) Was soll die Lösung des Problems dann sein? Wände zwischen den Sitzen? Ich sehe es so:

Es gibt andere Menschen. Manche davon sind Ärsche, Männlein wie Weiblein. Man muss aber lernen sich mit diesen Menschen zu arrangieren/sich gegen diese Menschen durchzusetzen. Fotos auf Twitter zu posten um darüber hinwegzutäuschen, dass man das nicht geschafft hat und sich trotzdem noch als tolle Aktivistin fühlen möchte reicht da nicht. Wenn das schon jemand, der sich explizit als Feministin und damit Aktivistin versteht, nicht schafft, wer dann?

Irgendwann platzte mir der Arsch und ich bemerkte

Die Suffragetten sind in den Knast gegangen, aber keiner von uns traut sich, nen Platz in der Bahn zu besetzen? WTF?

Es ist tatsächlich so, dass Männer in unserer Gesellschaft präsenter sind als Frauen. Da müssen wir nicht drüber diskutieren. Aber, mal ganz ketzerisch gesagt: Jemand der sich im Zug nicht durchsetzen kann wird es auch nicht in der Chefetage schaffen.

Als Feministin ist die Gleichstellung eines meiner erklärten Ziele. Die wird mir aber nicht in den Schoß fallen.

Es wird nicht so sein, dass nach 100+ veröffentlichen Blogs und 20.000+ Tweets jemand (die Kanzlerin, das BVerfG, der liebe Gott) sagen wird „Achso, ja, wir sperren jetzt alle Leute ein die Frauen schlecht behandeln“

Wir selbst müssen aktiv werden, und damit ist nicht gemeint Fotos von Fremden auf Twitter zu posten. Damit ist gemeint, dass wir in unseren Leben für die Dinge aufstehen, die uns wichtig sind, und die Dinge nicht hinzunehmen, die uns schaden oder ärgern. Für uns UND andere! Courage ist nämlich kein Küstenort in Frankreich.

Wir müssen quengeln, nörgeln und stänkern, immer und immer wieder. Bis es geschafft ist. Und dann weiter quengeln damit es so bleibt.

Das Leben ist schlecht und ungerecht. Wir können aber etwas dagegen tun.